Schatz der Erfahrung

Feinschliff. Der Weltmarktführer bei den Katamaranen hat die Lagoon 50 durch eine 51er ersetzt. Man verwendete den gleichen Rumpf, erzielte aber in einigen Bereichen entscheidende Verbesserungen

Optimierungsmaßnahmen. Das neue Riggkonzept sieht einen weit vorne stehenden Mast und eine Genua statt Selbst­wendefock vor. Das wirkt sich positiv auf die Segeleigenschaften aus, wie die Lagoon 51 beim Vergleichstest mit anderen Kats dieser Größe unter Beweis stellte

Optimierungsmaßnahmen. Das neue Riggkonzept sieht einen weit vorne stehenden Mast und eine Genua statt Selbst­wendefock vor. Das wirkt sich positiv auf die Segeleigenschaften aus, wie die Lagoon 51 beim Vergleichstest mit anderen Kats dieser Größe unter Beweis stellte

Vor zwei Jahren schickte der französische Kathersteller Lagoon erstmals ein Skipper-Pärchen auf eine mehrmonatige Promotour, um der Öffentlichkeit und den Fachmedien die neue Lagoon 55 zu präsentieren. Eine in vielerlei Hinsicht gute Idee: Die Yacht wanderte von einer In-Water-Show zur nächsten und wurde während der Überfahrten von der professionellen Crew auf Herz und Nieren geprüft, etwaige Schwachstellen ließen sich damit noch vor dem Anlaufen der Serienproduktion beheben. Nur logisch, dass die Werft dieses Konzept auch bei der neuen Lagoon 51 zur Anwendung brachte. Bewusstes Pärchen segelte damit im Herbst letzten Jahres nach Port Ginesta zu den EYOTY-Seatrials, in deren Rahmen wir die 51er ausgiebig testen konnten.

Im Gegensatz zur 55er handelt es sich bei der 51er nicht um ein komplett neues Modell. Sie basiert auf jenen Rümpfen, die 2017 von Marc Van Petegham und Vincent Lauriot Prévost (VPLP) für die Lagoon 50 entwickelt wurden. Die renommierten Konstrukteure waren (wie so oft) ihrer Zeit voraus und spendierten der 50er schon damals einen extrem breiten Rumpf mit markanten Chines, die speziell an den Innenseiten sehr stark ausgeprägt waren. Diese Bauweise ermöglicht ein schlankes Unterwasser, gleichzeitig bleibt das Volumen über der Wasser­linie erhalten. Die seitlichen Kimmkanten am Vorschiff sind etwas moderater ausgeführt, wodurch ein weiches Einsetzen in die Wellen gewährleistet ist. Großes Augenmerk legte das Designer-Duo auf den Abstand zwischen Wasseroberfläche und Salon. Der Unterboden wurde mittschiffs als tiefes V konzipiert, dem beidseits je ein mächtiger Gleitstringer zur Seite steht. Diese Konfiguration wirkt in hohen Wellen wie ein Weichspüler und verhindert ein heftiges, lautes Aufprallen. Die Hydrodynamik dieses Rumpfes ist bis heute State of the Art und beim Volumen ging man derart an die Grenzen des Machbaren, dass sich sechs vollwertige Kajüten mit Doppelkojen ausgingen – ein Innenlayout, wie es derzeit nur von ganz wenigen Mitbewerbern in dieser Liga angeboten wird. Langer Rede kurzer Sinn: Die Entwicklung eines neuen Rumpfes war definitiv nicht nötig.

Mehr Speed, mehr Komfort

Verlängert und verbreitert wurden aber die in die Rümpfe integrierten Badeplattformen, die Bezeichnung der Newcomerin als Lagoon 51 ist daher durchaus zutreffend. Das Plus von ein paar Zentimetern in der Breite ist speziell praktisch, wenn man seitwärts an einer tieferen Mole liegt; so fällt das Ein- und Aussteigen leichter.

Komplett neu gedacht hat man das Rigg­Konzept. Bei der Lagoon 50 stand der Mast extrem weit achtern, damit sich eine leistungsfähige Selbstwendefock ausgeht. Theoretisch einleuchtend, in der Praxis konnte das Segelpotenzial aber nicht in vollem Umfang ausgeschöpft werden und – noch viel wichtiger – die Maststütze befand sich störend mitten im Salon. Das wirkte sich negativ auf das Raumgefühl aus, schränkte die Layout-Optionen massiv ein und verlangte aufwändige konstruktive Versteifungen an den dadurch entstehenden Stresszonen. Bei der Lagoon 51 steht der Mast nun ganz vorne am Kajütrand, wo die Struktur von Haus aus massiver ist. Resultat dieser Rochade ist ein Großsegel mit vergleichsweise langem Großbaum, das im Idealfall (wie am Testschiff) mit einer 120-Prozent-Genua kombiniert wird. Eine Selbstwendefock ist laut Spezifikationen zwar im Standard-Angebot enthalten, die Genua aber eindeutig zu bevorzugen.

Das auf sechs Niro-Stützen montierte Hardtop auf der Flybridge ist nicht gerade ein optisches Highlight, schon bei der Lagoon 55 hat sich aber gezeigt, dass Eigner und Crew deren Funktionalität sehr zu schätzen wissen und die stilistische Beeinträchtigung dafür gerne in Kauf nehmen. Tatsächlich spendet das fixe Bimini reichlich Schatten, schützt mit textilen Seitenwänden auch vor Regen und bietet mit seinen fast 16 m2 viel Platz für Solarpaneele.

Den gesamten Fahrbericht lesen Sie in der Yachtrevue 6/2023, am Kiosk ab 1. September!

Der komplette Bericht als PDF-Download:

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