NADA* – eine Polemik

Sie kennen die Geschichte vermutlich: Ein nächtlicher Spaziergänger beobachtet einen Betrunkenen, wie dieser am Boden rund um eine hell leuchtende Laterne etwas sucht. Nach einer Weile packt ihn das Mitleid und er beginnt das Gelände ebenfalls abzugrasen, was der Betrunkene dankend mit dem Hinweis quittiert, die Suche gälte seinem Schlüssel. Als der Spaziergänger fragt, ob der Schlüssel auch sicher hier verloren gegangen wäre, bekommt er folgende Antwort: „Verloren habe ich ihn hinten im Dunkeln, aber dort sieht man ja nichts!“
Unsere wackere NADA agiert ähnlich. Während Langläufer und Biathleten in der Vergangenheit relativ ungestört von Dopingjägern üben konnten, waren Letztere präsent, wo es nichts zu holen gibt. Und prompt ging ihnen ein echt dicker Fisch ins Netz. Nun ist der Altmeister des Solings auch ein Dopingsünder. Tolle Sache, Gratulation. Schon die Auswahl der Veranstaltung beeindruckt: Stets informiert, wo bei den Seglern der Bär brummt und die Elite an Grenzen stößt, die nur mit unerlaubten Hilfsmitteln zu überschreiten sind.
Nachdem Stillstand Rückschritt bedeutet, hier ein Angebot: Bitte, bitte, liebe NADAisten** – auch bei mir! Bin gut im Futter aber schlecht trainiert, wütend ehrgeizig und skrupellos beim Einsatz verbotener Mittel, sei es Sprinto-Regatta, Clubmeisterschaft oder diverse Bänder und Cups. Ihr würdet bei mir Schnarch-ex-Tabletten (Verbotsliste nada-8735) finden, die ich brauche, um nächtens vor der Regatta nicht nägelbeißend durchs Haus hirschen zu müssen. Verschlagen unterstütze ich das mit einer ordentlich inhalierten Sultanol-Lösung (eigentlich für die Kinder, aber geniale Tarnung, nada code 9268, ihr wisst schon) und dem wick-Erkältungssirup für die Nacht (nada-10446), damit ich unter Tags allen etwas husten kann. Und wenn ihr mich habt, Achtung: gelegentlich habe ich das 10540er Yal-Klistier für einen Einlauf intus, um bei bestimmten Anlässen richtig drauf zu … (vom Chef zensiert).
Weil eigentlich möchte ich nur Regatten fahren, mich mit Kollegen matchen, vorher plaudern, nachher zufrieden grunzen oder keppeln. Was ich nicht möchte: verantwortlich darüber zu wachen, „… was sich in [m]einem Körper oder in [m]einen Körperflüssigkeiten befindet“, da es, wie ich auf eurer Homepage lese, „… zu den Pflichten des Sportlers [zählt], sich über die aktuelle … Liste der verbotenen Substanzen und Methoden … zu informieren, … sich zu vergewissern, dass jedes verabreichte Medikament, jedes sonstige Präparat oder eingenommene Nahrungsergänzungsmittel keine verbotenen Wirkstoffe enthält …[und] ob sein verantwortlicher internationaler Sportverband zusätzliche Einschränkungen, Verbote und/oder Vorschriften vorsieht.“
Mag sein, aber bei mir habt ihr den Schlauch. Also: Deal?
* NADA, spanisch für „nichts“, in wohl unfreiwilliger Ironie auch: Nationale Anti-Doping Agentur Austria
** Anklänge an die dadaistischen Lautvetter sind durchaus passend, denn wie schreibt doch Wikipedia: „Der Dadaist ersetzte die durch Disziplin und die gesellschaftliche Moral bestimmten … Verfahren durch einfache, willkürliche, meist zufallsgesteuerte Aktionen in Bild und Wort.“

Weitere Artikel aus diesem Ressort

Ressort Kreuzpeilung
Rund um den Neusiedler See passiert Heftiges (siehe auch YR 3/17). Etablierte Clubs, wie der Yachtclub Breitenbrunn oder der Segelclub Weiden, sind in ihrer Existenz gefährdet, weil versucht wird, Grund und Boden anders – sprich: profitabler – zu nutzen als bisher. Bauträger nutzen sogenannte Baulücken, um massiv in das Landschaftsbild einzugreifen und das nicht zum Besseren; eine Unzahl von Windrädern hat ästhetisch ohnehin schon ihre hässlichen Spuren hinterlassen. Was läuft hier ab? Kurz gesagt: der Gentrifizierungs-Oligarchen-Doppelpass. Was das ist? Zwei Phänomene, die sich im konkreten Fall zu einem höchst fragwürdigen Ergebnis ergänzen.









 

Doppelpass im Osten

Ressort Kreuzpeilung
Selbst als nur halber Lateiner aus einem naturwissenschaftlichen Realgymnasium habe ich ursprünglich ‚Forum‘ mit dem Forum Romanum assoziiert, das „in republikanischer Zeit politisches, religiöses und ökonomisches Zentrum der römischen Welt“ war und für viele Touristen einen Fixpunkt im Programm eines Rom-Besuchs darstellt. Wir Heutigen haben andere Assoziationen. Forum ist der Platz, an dem wir virtuell, aber wirklich im Internet in einen Dialog – oder was manche davon halten – eintreten. Bei mir ist das nicht anders. Ich leide als bekennender Anhänger des Fußballklubs Austria Wien im entsprechenden Forum, bin dann und wann erstaunt über Äußerungen im Forum meines Yachtclubs oder schockiert über geäußerte Ansichten zur Politik, Dschungelcamp & Co. im Forum von Der Standard.









 

Go Forum

Ressort Kreuzpeilung
Die Nordwestpassage öffnet die Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik nördlich von Kanada. Sie ist derzeit vielleicht nicht in aller, aber doch in vieler Munde: Die Seenomaden Doris Renoldner und Wolfgang Slanec lassen uns mit Buch und Multivisions-Show an ihrem abenteuerlichen Törn von Grönland nach Alaska teilhaben. Studien zeigen, dass die Passage zunehmend ohne Meereseis ist. Wirtschaftliche Interessen lassen Der kommerzielle Schiffsverkehr steigt aufgrund wirtschaftlicher Interessen rapide an, was mit möglichen negativen Effekten für die dort lebende Tierpopulation, etwa den Narwal, verbunden ist.









 

Go North-West?

Ressort Kreuzpeilung
Vorweihnachtliche Kälte. Die stille Zeit, oft gar nicht mehr so still, aber am heutigen Abend doch: Die Tasse Tee dampft, Kerzenlicht, ein Buch am elektronischen Lesegerät. Auf einmal ein gedämpftes Geräusch von draußen: „F, f, f.“ Neugierig öffne ich die Terrassentür. Da, etwas lauter: „Fai, fo, fi.“ Stirnrunzelnd will ich wieder zurück, als mit einem pfeifenden Woosh das Weihnachtsengerl vor meinen Füßen landet. In seltsamer Aufmachung allerdings. Auf den Flügeln eine Reihe von Tattoos mit in blauen Wellen geschriebenen Namen wie Paul, Willy, Valentin, Serge, Jochen, Esko, Russel, José, Mateusz, Ian, Ben und Giles und, mit ☹ versehen, Kim.









 

Kein Titel!

Ressort Kreuzpeilung
Vervollständigung meiner Kollektion der Großen Seen im Grenzgebiet von Kanada und USA. Lake Ontario, Lake Erie, Lake Huron, Lake Michigan und Lake Superior (von Ost nach West) sind mit etwa 245.000 km2 die flächenmäßig größte Ansammlung an Süßwasser weltweit, allein Lake Superior ist etwa so groß wie Österreich. Meine Rundreise führte mich u.a. nach Copper Harbor, Michigan, am Ende der Keweenaw-Halbinsel, die fast bis in die Mitte des Lake Superior hineinreicht. Eher bekannt als Paradies für Mountainbiker, hat Copper Harbor auch eine nette, von öffentlicher Hand betriebene Marina. Sieben reguläre Liegeplätze, ein überschaubares Büro und Sanitäranlagen machen es zu einem kleinen, aber feinen Aufenthaltsort für die Segel- und Motorbootgemeinde im südlichen Teil des Sees.









 

Aquatic Hitchhikers

Ressort Kreuzpeilung
Rund um meinen 60er mit der besten Ehefrau von allen eine Woche in Israel. Am letzten Tag Abstecher an die Mittelmeerküste, zwei Stunden Strand bei Naharija, etwas nördlich von Akko. Meine déformation professionnelle schlägt durch, daher Blick auf Windrichtung und -stärke sowie Segelaktivitäten: 6–7 Knoten aus rund 300 Grad, zwei Gruppen von Optimisten sowie zwei Laser. Das seglerische Niveau, gemessen an Manövern und Starts, nicht besonders hoch, aber durchaus akzeptabel. Mein Blick schweift nach Norden zur Hügelkette, die zum Meer hin steil zu den weißen Kalkfelsen von Rosch haNikra abfällt und gleichzeitig die Grenze zwischen Israel und dem Libanon an diesem nordwestlichsten Zipfel des Landes bildet. Idyllisch.









 

In Reichweite