Kleines Schiff, große Pläne

Christian Kargl will 2021 auf einem Plattbug-Boot am Mini-Transat teilnehmen. Wir sind mit dem smarten Racer am Attersee gesegelt und haben Kargl zu den Details seines Vorhabens befragt

Kleines Schiff, große Pläne

Meine Herren, macht das Spaß! Bei schönstem Rosenwind kreuzen wir von Weyregg Richtung Seewalchen, das Boot liegt perfekt ausbalanciert am Ruder, wohldosierter Druck ermöglichst präzises Steuern. Alles läuft wie am Schnürchen. Der extrem weit unten ansetzende Großbaum sorgt für einen tiefen Segelschwerpunkt, die Holepunkte für die Genua sind über Schot und doppeltem Barberholer dreidimensional verstellbar, das geteilte Achterstag lässt sich via Grob- und Feineinstellung anpassen. Schiffseigner und zwischenzeitlicher Vorschoter Christian Kargl ist für die zentrale Trimmeinrichtung verantwortlich, den gebogenen Traveller, der achtern positioniert ist und beinahe die gesamte Schiffsbreite nutzt. Permanent arbeitet er damit, Ziel ist es, gerade so viel Lage zu haben, dass der markante, runde Bug frei ist und den Wellen keine Angriffsfläche bietet. Es weht mit bis zu 14 Knoten, unser Bestwert hart am Wind liegt bei sechs Knoten, die Höhe, die wir laufen, beeindruckt uns nicht. Sehr wohl beeindruckend ist aber die Leichtfüßigkeit, mit der sich der Mini 650 übers Wasser bewegt, sowie seine Gutmütigkeit selbst in starken Böen. Wie auf Schienen ziehen wir unsere Spur, derjenige, der steuert, sitzt bequem und sicher am Süllrand. Ein Aha-Erlebnis beschert uns die Großschot, die erstaunlich gering übersetzt ist und ordentlich Muskelschmalz verlangt – mit ein Grund, warum sich Kargl für den kommenden Winter ein intensives Konditions- und Krafttraining auferlegt hat. 2020 verspricht schließlich eine dichte Saison zu werden, vorgesehen ist die Teilnahme an fünf bis sechs Regatten. „Es gibt im Mini-Zirkus zwei große Gruppen von Veranstaltungen“, erklärt Kargl, „diejenigen, die im Mittelmeerraum, also Südfrankreich, Spanien und Italien stattfinden, und diejenigen, die am Atlantik gesegelt werden. Wenn du dich auf das Mini-Transat vorbereitest, brauchst du beides.“
Mini-Transat, das ist jene Regatta, bei der 6,5 Meter kleine Boote von Solisten über den Atlantik pilotiert werden. 1977 fand die Premiere statt, derzeit ist gerade die 22. Auflage im Laufen (siehe auch Kasten auf Seite ??). 2005 hat Kargl als erster Österreicher teilgenommen und dabei fast sein Leben verloren. Er ging auf offener See bei einbrechender Dunkelheit ohne Rettungsweste über Bord und wurde nur durch Zufall von einem Konkurrenten aufgefischt.

Und 2021 will er erneut dabei sein. Echt jetzt? „Viele fragen mich, warum ich mir das noch einmal antue“, zuckt er mit den Schultern, „aber ich brauche das, um mit dem Thema abschließen zu können. Und diesmal weiß ich zumindest, worauf ich mich einlasse.“

Serie statt Prototyp

Antreten wird er in der Klasse der Serienboote, nicht wie bei seiner Premiere mit einem Prototypen. „Ein Serienboot verlangt nicht so viel Zeit am Wasser und du kannst dich schneller weiterentwickeln“, ist Kargl überzeugt. Entschieden hat er sich für einen Maxi 650. Das eigenwillige Design stammt von David Raison, einem Plattbug-Spezialisten, der das Mini-Transat 2011 gewann und das Siegerboot der Prototyp-Klasse 2017 zeichnete. Er bot seine Konstruktion zunächst der bekannten französischen Werft Pogo Structures an, wurde mit dieser aber nicht handelseins und landete schließlich bei dem vergleichsweise kleinen, ebenfalls in Frankreich ansässigen Unternehmen IDB Marine.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue 11/2019, am Kiosk ab 2. November!

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