Trixileaks

Damentörn I: Was ist anders, wenn Frauen auf See unter sich sind? Ja, auch wir Männer sind neugierig. Also spiele ich das sprichwörtliche Mauserl

Trixileaks

Männer von Flake, wir müssen uns damit abfinden: Die Jahrhunderte, in denen Segeln ausschließlich unsere Sache war, sind ausgerechnet in unserer Generation abgelaufen. Holt euch Trost bei Automechanikern, Fußballern, Eishockeyspielern und Golfern. Ich schließe nicht aus, dass es Selbsthilfegruppen gibt.

Viele Männer werden ohne professionelle Hilfe damit fertig. Sie finden es gar nicht mehr so lustig, von den Neandertalern ihres Geschlechts beflegelt zu werden. Als Schimpfwort ist „Frauenversteher“ oder „Weiberflüsterer“ genauso ungeeignet wie „Gutmensch“.
Neulich erzählte ich einer Seglerin, dass ich gern ein Mauserl wär‘ auf einem Damentörn. Was ich nicht wusste: Sie war eine Hexe!

Plopp!

Und schon war ’s passiert. Die gesamte Recherchearbeit meiner bisherigen Spioninnen, die Protokolle mitteilungsbedürftiger Verräterinnen … alles für die Katz’. Jetzt kam ich als Mauserl den wahren Geheimnissen auf die Spur.

„Wir bleiben unter uns, weil wir nur so etwas lernen können“, erklärt Trixi, meine Chefinformantin. „Männer quasseln immer dazwischen.“ All meine Whistleblowerinnen bleiben anonym und tragen den Decknamen Trixi. Willkommen bei Trixileaks!

„Wenn du etwas anderes angreifst als den Herd, pfuschen sie dir sofort ins Handwerk und plappern infantiles Zeug: Nein, Schatzipuppi, musst das Schnürl da drüberlegen tun. So blöd bringt man keinem Kind das Schuhebinden bei!“ Trixi hat Recht. Ich muss mir selbst auf die Finger klopfen, aber sie ist mit dem Fenderknoten eh viel schneller fertig als ich es wäre.

Eines der Mädels kämpft mit einer bockigen, viel zu dicken Heckleine beim Klampenschlag. „Schau zu“, sagt Trixi. „Jetzt erlebst du was typisch Weibliches.“ Nach dem Hilferuf „Kann bitte wer herkommen?“ stürmt die gesamte Crew zur Steuerbord-Heckleine, wo auch die Rudergängerin steht. Dort bildet sich ein Gordischer Knoten aus Ölzeug-Models. „Die Hilfsbereitschaft unter Frauen ist oft viel zu groß“, sagt Trixi und belegt die total vernachlässigte Muring. Mehr als ein Klischee: Ein Mann muss sich an der Klampe schon die Finger brechen, ehe ein Geschlechtsgenosse zu Hilfe eilt. Der Effekt ist auf beiden Schiffen gleich: Die Heckleine ist nicht fest.

Stichwort Ölzeug: „Manche Crews gehen nach dem Segeln in voller Segel-Montur essen“, erzählt Trixi. „Da kommen dann Machosprüche wie: Duschen wird überbewertet.“ Darauf könne sie sich aber nie verlassen: Selbe Crew; nächster Abend. Trixi fragt: „Gemma essen?“ Alle kreischen „Yeahhh!“ – und verschwinden. 64 Minuten lang passiert nichts. Dann entschweben sechs hüftenschwingende Vamps einer vorauseilenden Parfümwolke. Das Mauserl wird zur Spitzmaus. Und Trixi sitzt in der Ölzeughose im verschwitzten Leiberl völlig sprachlos beim dritten Manöverschluck im Cockpit.

„Das sind die Tage, an denen du über Physik nicht reden brauchst“, seufzt Trixi. Wenn es wirklich um etwas geht, schaut die Sache aber anders aus: „Ich kann ein Bügeleisen bedienen“, sagt eine, „also kann ich auch mit einer Yacht umgehen.“ Sie lebt in einem stockkonservativen Haushalt. Oder unverblümt: Daheim regiert ein unverbesserliches Mannsbild. „Aber der hat keine Ahnung von Radeffekt oder Drehmoment.“ Sie sei ja teilweise selber schuld an ihrer Rolle: „In der Schule hab‘ ich bei den Worten Technik oder Physik die Ohren zugeklappt.“ Und heute? „Keine Panik! Das Schiff kann nicht umfallen – und ich versteh‘ warum! Wir saufen auch nicht gleich ab, wenn irgendwas bricht.“

Plopp! Die Bierdose ist offen. Es folgt ein transformierter Männerspruch: „Der Herr Gemahl würd’ sich schön anscheißen auf so einem Segelboot. Prost!“ Jetzt hat das Mauserl ein bissi Angst.

(Fortsetzung folgt)

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