Trimmen mit Tanja

Besser segeln mit Olympiamedaillengewinnerin Tanja Frank. Folge 2: Großsegeltrimm an der Kreuz

Trimmen mit Tanja

Wer an der Kreuz schnell, sicher und komfortabel segeln will, muss Vorsegel und Groß optimal einstellen. Gut zu wissen in diesem Zusammenhang: das Vorsegel ist zu 100 Prozent für den Vortrieb, das Großsegel darüberhinaus für die Balance des Bootes verantwortlich. Gut ausbalanciert bedeutet, dass der Ruderdruck als angenehm empfunden wird. Ist er zu groß oder gar nicht spürbar, kann man das – in Abhängigkeit vom jeweiligen Boots- bzw. Yacht-Typ – durch geeignete Trimmmaßnahmen ändern. Wichtig: Zu viel Ruderdruck macht das Boot luvgierig und sollte unbedingt vermieden werden.
Im Folgenden stellen wir die fünf zur Verfügung stehenden Trimmeinrichtungen für das Großsegel vor und erarbeiten anschließend einen Basistrimm für Leicht-, Mittel- und Starkwind.

Großsegeltrimm

Das Groß lässt sich via folgender Trimmhilfen einstellen.
1. Großschot
Verändert die Achterliek-Spannung und damit den Twist. Unter Twist versteht man die Verwindung des Segels im oberen Drittel. Mehr Schotzug verringert den Twist, das Segel macht zu. Weniger Schotzug erhöht den Twist, das Segel macht auf.
Bei Leichtwind (bis 8 Knoten) ist Twist erwünscht, bei Druckwind (9–12 Knoten) eher nicht, bei viel Wind ist Twist unbedingt notwendig (Verhindern der Luvgierigkeit). Tipp: Für die perfekte Einstellung des Twists bei Leichtwind ist ein Faden an der obersten Latte ein unerlässliches Hilfsmittel.

2. Traveller (Alternative: Baumniederholer):

Reguliert den Winkel des Großbaums zur Mittschiffslinie. An der Kreuz sollte der Großbaum im Idealfall genau entlang der Mittschiffslinie positioniert werden. Tipp: Peilung nach achtern auf das Achterstag. Ist der Druck im Segel zu stark, wandert der Traveller nach Lee, bei wenig Druck nach Luv. Achtung: Der Großbaum darf im Normalfall nicht über die Mittschiffslinie gezogen werden.
Gibt es keinen Traveller, kann der Baumniederholer einen Teil seiner Aufgaben übernehmen. Er wird angesetzt (=dicht genommen), wenn man das Großsegel in einer Böe fieren muss.

3. Unterliekstrecker
Verändert die Profiltiefe im unteren Drittel des Segels. Faustregel: Loses Unterliek bei wenig Wind (= volles Segel), dichtes Unterliek bei viel Wind (= flaches Profil)
4. Cunningham (bzw. Großfallspannung)
Verändert die Position des Bauches.
Faustregel: Viel Spannung bei viel Wind (zieht den Bauch nach vorne), wenig Spannung bei wenig Wind (lässt den Bauch nach achtern wandern).
5. Achterstag
Reguliert die Mastbiegung und dadurch das Segelprofil.
Faustregel: Viel Spannung bewirkt starke Mastbiegung ( = flaches Profil), wenig Spannung bewirkt wenig Biegung (= volles Profil).

Leichtwind (bis 8 Knoten)

Das Segel soll maximalen Druck produzieren, daher benötigt man ein volles Profil mit möglichst weit achtern liegender Profiltiefe. Typischerweise spürt der Steuermann kaum Ruderdruck, was ein präzises Steuern erschwert. Erleichterung schafft ein richtig eingestelltes Großsegel. Dafür nimmt man die Großschot soweit dicht, dass der Faden an der Topp-Latte rund 75 Prozent (nicht 100 Prozent!) der Zeit nach achtern ausweht. Der Traveller wird soweit nach Luv gezogen, dass der Baum entlang der Mittschiffslinie zu liegen kommt. Diese Maßnahmen erhöhen den Druck, erzeugen ein wenig Ruderdruck und erleichtern damit dem Steuermann das Leben.

Die gesamte Trimmanleitung inklusive zahlreicher Bilder finden Sie in der Yachtrevue 8/2017, am Kiosk ab 4. August!

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