Die Schöne ist ein Biest

Die 58 Meter lange Ngoni ist ein Vermächtnis des bekannten Yachtdesigners Ed Dubois. Schwungvolle, ungewöhnliche Linien und ein leistungsstarkes Rigg machen die von der niederländischen Werft Royal Huisman gebaute Superyacht zur Geheimwaffe

Die Schöne ist ein Biest

Diskretion ist das Um und Auf im Superyacht-Business. Die Werften sind vertraglich zu Stillschweigen verpflichtet und diese Verpflichtung wird an die Medienpartner weitergegeben.

Fotos von Superyachten gibt es nur, wenn man eine Vereinbarung unterzeichnet, den Eigner des jeweiligen Luxusobjektes nicht zu nennen. Auch wenn dieser bereits geoutet ist und sich im Internet jede Menge Informationen über seine private und seglerische Biografie finden.
Wer sich also für die Eigentumsverhältnisse der Ngoni interessiert, braucht nur zu googlen. Wir halten uns an das Motto der niederländischen Werft Royal Huisman „Let the yacht be the hero“. Und die 58 Meter lange Slup hat tatsächlich das Zeug dazu im Mittelpunkt zu stehen. Schon das Briefing des Eigners forderte das Außergewöhnliche: „Baut mir ein Biest. Keinen Wolf im Schafspelz, sondern eine bahnbrechende und innovative Waffe, schnell und wild.“

Mehrere Yachtdesigner fielen mit ihren Entwürfen durch; sie waren nicht außer­gewöhnlich, nicht radikal genug. Auch der renommierte Konstrukteur Ed Dubois, der seine Karriere mit Regatta­yachten begann und später für so erfolgreiche Perfor­mance-Slups wie Kokomo, Mondango und Twizzle verantwortlich zeichnete, fand erst mit seinem zweiten Vorschlag Gefallen.

Dubois, der 2016 verstarb und die Fertigstellung der Ngoni nicht mehr erleben durfte, schuf einen schlanken Rumpf mit niedrigem Freibord, Hecküberhang, flachem Decksaufbau und steilem Steven. Nach dem Motto „Weniger ist mehr“ wählte er einen minimalistischen Ansatz, mit dem Ziel die Verlässlichkeit zu erhöhen. Das Deck ist bis auf das Deckhaus komplett plan. Segelstauraum, Tender-Garage, Kran, Whirlpool sowie ein gekühlter Müllraum verstecken sich hinter Flush-Luken bzw. lassen sich so versenken, dass man sie von außen nicht wahrnimmt.

Dieser Purismus schafft eine saubere, aufgeräumte und elegante Ästhetik, hat aber auch eine funktionale Dimension, da ein derartiges Flush-Deck höhere aerodynamische Effizienz verspricht. Die spielte auch bei der Gestaltung des Bugs eine Rolle: Der senkrechte Steven ist oben und unten abgerundet, ein konventioneller Bugkorb fehlt. Das schaut nicht nur schnittig aus, sondern sorgt auch für eine saubere Luftströmung, die Verwirbelungen am Vorliek reduziert und somit die Aerodynamik der Fock verbessert. So erreicht die Ngoni unter Segel eine Höchstgeschwindigkeit von 17 Knoten.

Schwungvoll

Am auffälligsten sind die geschwungenen Deckslinien: Dubois konstruierte einen positiven Deckssprung, der hinter dem Decksaufbau in einen negativen übergeht. Die dynamische, einzigartige Optik erfüllt auch einen funktionalen Anspruch: Der negative Decksprung im Heckbereich erlaubt eine bessere Aussicht aus dem Cockpit und soll der Konstruktion laut Computerberechnungen zwölf Prozent mehr Rumpffestigkeit und Lastwiderstand als eine herkömmlich geschwungene Variante verleihen. Ein durchaus erwünschter Effekt, war doch die größte Herausforderung für den Designer das große, leistungsstarke Rigg mit einem schlanken, einfach zu segelnden Rumpf zu vereinen. Ein wichtiges Thema war auch die Rumpfsteifigkeit, da im Rumpf zahlreiche Durchlässe untergebracht werden mussten, etwa für Fenster, das Fitnessstudio auf Meeresniveau, die ausfahrbare Landungsbrücke, die beiden Unterwasser-Anker sowie das einklappbare Bug- und Heckstrahlruder.

Den gesamten Bericht über diese außergewöhnliche Yacht lesen Sie in der Yachtrevue 10/2018, am Kiosk ab 5. Oktober!

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