Reiz der Tiefe

Mit dem privaten U-Boot haben die Superreichen ein neues Lieblingsspielzeug für sich entdeckt. Das Angebot am Markt ist erstaunlich groß und reicht von der Zwei-Personen-Kapsel bis zur abtauchenden Mega-Yacht

Reiz der Tiefe

Was haben der russische Oligarch Roman Abramowitsch, Microsoft-Gründer Paul Allen und Red-Bull-Boss Didi Mateschitz gemeinsam? Sie besitzen ein U-Boot. Eigene Tropen-Insel und luxuriöse Megayacht genügen den wasseraffinen Superreichen dieser Welt nicht mehr, jetzt wollen sie auch noch im Privatgefährt abtauchen. Mateschitz etwa hat sich das Modell Super Falcon zugelegt und auf Fidschi stationiert, ein knapp sechs Meter langes Tauchboot, das vom US-amerikanischen Unternehmen DeepFlightAdventures entworfen und gebaut wurde. Im Unterschied zu herkömmlichen U-Booten besitzt das Super Falcon einen festen positiven Auftrieb und kommt ohne Ballasttanks aus. Bei technischen Problemen geht es also nicht – wie man es aus einschlägigen Filmen kennt – unkontrolliert und auf ewig in die Tiefe, sondern automatisch in Richtung Wasseroberfläche; sehr beruhigend. Der maximale Speed liegt bei fünf Knoten, die nötige Energie stammt von Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien. Ein patentiertes Schub- und Hebesystem sowie seitliche Tragflächen sorgen für ein Fahrerlebnis, das ans Fliegen erinnern soll, und machen das Gefährt außergewöhnlich wendig. Es bietet zwei Personen Platz, die jeweils in einer eigenen Kuppel sitzen, die Steuerung per Joystick ist angeblich ganz intuitiv und innerhalb weniger Übungseinheiten zu erlernen. Im Kaufpreis von rund eineinhalb Millionen Dollar ist ein siebentägiger Trainingskurs im Revier der Wahl inbegriffen, schließlich wollen die meisten Eigner ihr neues Spielzeug selbst bedienen. Um einen Führerschein braucht man sich keinen Gedanken mache, der ist nämlich für privat betriebene U-Boote gesetzlich nicht vorgeschrieben. Die laufenden Kosten liegen laut DeepFlight auch bei intensiver Nutzung bei weniger als 15.000 Dollar pro Jahr, die Versorgung des Super Falcon nach einem Tauchgang gestaltet sich erstaunlich unaufwendig. Mit Süßwasser abspülen, Batterien aufladen und den Abscheider tauschen, der das CO2 aus dem Cockpit filtert – fertig.

Marktführer im Bereich der Privat-U-Boote ist U-Boat Worx. Die vom Holländer Bert Houtman 2005 gegründete Firma stellte als eine der ersten U-Boote her, die dank kompakter Abmessungen und geringem Gewicht auf eine Superyacht passten und für den Betrieb nicht auf ein eigenes Mutterschiff angewiesen waren. 20 unterschiedliche Modelle stehen zur Wahl, als Markenzeichen gilt die Acrylkugel an der Vorderseite, in der die Passagiere mit ausreichend Kopf- und Beinfreiheit bequem sitzen und den Panoramablick auf die Umgebung genießen können.

Auf neuestem Stand

2017 stellte U-Boat Worx seine neueste Serie C-Researcher vor, die mit zahlreichen technologischen Neuerungen aufwartet. So entwickelten die Ingenieure unter anderem ein automatisches Trimmsystem sowie drucktolerante Lithium-Ionen-Batterien mit deutlich besserer Kapazität. Sie ermöglichen stärkere Triebwerke und damit höhere Geschwindigkeiten, eine längere Einsatzdauer sowie den Betrieb von leistungsfähigen Zusatzscheinwerfern. Design und Inneneinrichtung kann der Eigner nach seinen individuellen Wünschen gestalten lassen, auch die Installation einer Toilette ist möglich; man weiß ja nie. Fünf Modelle stehen zur Auswahl, das tollste und teuerste ist das C-Researcher 2. Es erreicht eine Tiefe von 3.000 Metern – das ist einmalig für ein privates U-Boot.

Über die längste Erfahrung im zivilen U-Boot-Bau verfügt der in Florida ansässige Hersteller Triton, der sich mit seinen Kapseln ursprünglich bei Biologen, Archäologen und Filmemachern einen Namen machte. Auch bei Triton hat man die Superreichen als neue Zielgruppe erkannt. Deshalb sucht man den Kontakt zu einschlägigen Werften – diese sollen bei entsprechenden Aufträgen dem Kunden ein U-Boot als Extra anbieten bzw. die U-Boot-Garage beim Entwurf der Megayacht gleich miteinplanen. Die Idee dahinter: So wie der Helikopter soll sich auch das U-Boot an Bord zur Selbstverständlichkeit in der Jet-Set-Szene entwickeln. Und weil der Jet-Set nichts mehr liebt als extravagantes Styling, holte sich Triton für das neueste Projekt Neptune die britische Sportwagenmarke Aston Martin an seine Seite. Die Kooperation wurde im September 2017 offiziell verlautbart, im Mai 2018 präsentierte man in Barcelona den Prototypen des Neptune. Es bietet einem Piloten und zwei Gästen Platz, kann 500 Meter tief tauchen und erreicht eine Geschwindigkeit von fünf Knoten; der Preis blieb ungenannt. Kleine Orientierungshilfe: Das beliebteste Modell Triton 3300 MK II ist ab 3,5 Millionen Dollar zu haben, kommt aber ein wenig bieder daher.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue 10/2018, am Kiosk ab 5. Oktober!

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