Nichts ist unmöglich

Ein österreichisches Familienunternehmen genießt weltweites Renommee für exquisite Innenausstattungen und richtet vornehmlich superluxuriöse Segel- und Motoryachten ein

Nichts ist unmöglich

Ein Wasserfall in der Lobby, der über drei Decks in die Tiefe fällt, aber nicht spritzen darf. Ein 360 Quadratmeter großer, ein aus edelsten Fasern individuell gewebter Teppich, der fugenlos und in einem Stück im Salon verlegt werden muss. Geschwungene Kupferoberflächen, die wie blanke Spiegel glänzen, aber nicht oxidieren sollen. Ein Billardtisch, der auch bei Seegang stets in der Waagrechten bleibt. Freitragende Stufen, die aussehen, als ob sie schweben würden, ein marmorner Handlauf, der sich über zwei Stockwerke windet, eine zylinderförmige Liftkabine aus Glas, in die es Fäden aus echtem Gold einzuarbeiten gilt. Im Luxusyacht-Business gibt es nichts, was es nicht gibt. Oberste Priorität hat die Einzigartigkeit, denn die betuchten Eigner wollen vor allem eines – sich von der ebenso betuchten Kollegenschaft deutlich abheben. Die beauftragten Designer tragen dem Rechnung, entwerfen immer ausgefallenere Designs, ordern immer ungewöhnlicher Materialien – von Nuss bis Eierschale – und integrieren immer ausgefeiltere Technik. Papier und Laptop sind geduldig, doch irgendjemand muss die ausufernden Phantasien der Kreativen auf konkreten Boden bringen.

An diesem Punkt kommt das österreichische Unternehmen List General Contractor ins Spiel. Beheimatet im gänzlich unglamourösen Bad Erlach, hat sich die einstige lokale Tischlerei auf die Umsetzung glamouröser Ideen spezialisiert. „Unser Kunde ist die jeweilige Werft“, erklärt Theresa Ludwiger-List, die in dritter Generation und als eine von zwei Managing Directors in der Firma tätig ist. „Die beauftragt uns beispielsweise mit dem kompletten Innenausbau einer von ihr produzierten Yacht. Das bedeutet, dass wir die Vorstellungen des jeweiligen Designers in die Realität umsetzen müssen. Und zwar fristgerecht und zu den vereinbarten Kosten.“ Als Vorlage dienen manchmal penible 3D-Zeichnungen, manchmal lässige Handskizzen. Die Kunst, so Ludwiger-List, bestünde einerseits darin, praktikable technische Lösungen für die jeweiligen Entwürfe zu finden, andererseits mit den richtigen, sprich verlässlichen und qualitätsbewussten Kooperationspartnern zusammen zu arbeiten: „Da wir als Generalunternehmer fungieren, laufen alle Fäden bei uns zusammen. Natürlich müssen wir auch die geltenden Vorschriften beachten, zum Beispiel was Brandschutz oder Zertifizierungen betrifft.“ Für Marmor, Glas oder Metalle braucht es externe Spezialisten, alles, was mit Holz zu tun hat, kann im Hause List erledigt werden. Das Betriebsareal umfasst eine Fläche von insgesamt 14.000 Quadratmetern, davon entfallen 6.650 Quadratmeter auf die neue Produktionsstätte, die im Juni 2017 eröffnet wurde; das Investitionsvolumen betrug neun Millionen Euro. Der außen schlichte Bau, in dem über 200 Menschen beschäftigt sind, präsentiert sich innen modern und stylisch: Die offenen Büros – in jedem arbeitet ein Team an einem bestimmten Projekt – sind um einen quadratischen Innenhof mit japanisch anmutendem Seerosen-Teich gruppiert, an den Wänden hängen große Bilder, auf denen das hier zelebrierte Handwerk kunstvoll in Szene gesetzt wird. Einen Teil der Eingangshalle dominieren zwei Holzboote, die an klassische Runabouts erinnern. Es handelt sich um Einzelstücke, die Ludwiger-Lists Vater Anfang der 2000er-Jahre designt und gebaut hat.

Stetiger Aufstieg

Macht man einen Rundgang durch die aufgeräumten, blitzsauberen Hallen, in denen emsig zugeschnitten, gefräst, verklebt, geschraubt, lackiert, lasiert und montiert wird, drängt sich vor allem eine Frage auf: Wie konnte die regionale Tischlerei, die 1950 von Franz List gegründet wurde, zu einem weltweit agierenden Unternehmen aufsteigen, das lediglich mit einer Handvoll Mitbewerbern zu tun hat? Gab es in der Familie List eine gewisse Leidenschaft für den Wassersport, die den eingeschlagenen Weg erklären würde? Theresa Ludwiger-List, die Enkelin des Firmengründers, schüttelt den Kopf. Diese Entwicklung Richtung Luxusyacht wäre nicht dem persönlichen Interesse geschuldet gewesen, sondern habe sich vielmehr Schritt für Schritt und aus kaufmännischen Überlegungen vollzogen.

Der erste Schritt führte das Unternehmen in die gehobene Hotellerie, wo man in großem Stil Zimmer einrichtete, der nächste in die Welt der Kreuzfahrtschiffe.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue 10/2018, am Kiosk ab 5. Oktober!

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