Tofinou 9.7

Die französische Werft setzt bei dem Daysailer auf eine leistungsfähige Konstruktion und Linien aus dem Hause des Fahrzeugherstellers Peugeot

Tofinou 9.7

Die auf der Ile de Ré vor La Rochelle gelegene Werft Latitude 46 pflegt einen dezidiert emotionalen Zugang zur Entwicklungsarbeit, der eine Art Markenzeichen darstellt. So entstand beispielsweise die Idee zur eleganten, im Vintage-Stil gehaltenen Motoryachtlinie am Stammtisch des Restaurants André, weshalb man sie Andreyale taufte. Auch bei den Segelyachten werden maritime Traditionen bewusst hoch gehalten und historische Zitate in der Formgebung ebenso berücksichtigt wie die ästhetische Komponente; als wichtiger Kontrapunkt dazu fungieren moderne Hydrodynamik und leistungsfähiges Rumpfdesign. Die gleiche spannungsgeladene Gegensätzlichkeit herrscht bei den Materialien, wo sich auf der einen Seite Mahagoni und Teak, auf der anderen Niro und Karbon finden. Leitmotiv der Werft ist übrigens ein Zitat von Eric Taberly, der einst meinte: „Schöne Yachten segeln generell sehr gut.“

Neuer Besen

Die Tofinou-Reihe umfasst sieben Yachten zwischen sieben und 16 Metern, allesamt elegant, unverkennbar und zeitlos schön. Die Tofinou 9.7 soll künftig die erfolgreiche 9.5 ablösen, damit einher geht der Wechsel des Konstrukteurs. Man engagierte nicht Bernard Nivelt, der bislang alle Segelyachten für Latitude 46 gezeichnet hatte, sondern mit Michele Molino quasi einen Nachbarn; er betreibt sein Büro unweit der Werft. Molino hat am Konzept mit niederem Freibord und einem Mix aus historischen und modernen Linien nichts geändert, trotzdem unterscheidet sich seine Konstruktion grundlegend von jener der Vorgängerin. So ist der Rumpf um einen halben Meter breiter, hat im Vorschiffsbereich deutlich mehr Volumen und bleibt wie heutzutage üblich achtern breit. Daraus resultiert ein flaches Unterwasserschiff, das Formstabilität sowie Segelkomfort erhöht, die Leistung auf Raumschotkursen verbessert und für schnelles Angleiten sorgt.

Klare Vorgaben

Eine Werft, die in einem Gezeitenrevier beheimatet ist, kümmert sich naturgemäß auch um die Flachwassertauglichkeit ihrer Yachten und so bietet man zur Standardversion, bestehend aus Fixkiel mit Bleibombe und tiefgehendem Singleruder, zwei Alternativen an: Zur Wahl stehen der elektrohydraulische Schwenkkiel und ein Teleskopkiel, der sich via elektrischer Spindel um 80 Zentimeter aufholen lässt; mit Letzterem war das Testschiff ausgestattet. Beide Versionen werden sinnvollerweise mit einem Doppelruder kombiniert, zum Trockenfallen ist die Tofinou aber nicht geeignet.

Federführend bei der optischen Gestaltung war Peugeot Lab, das Designstudio des französischen Fahrzeugherstellers. Gemeinsam mit Molino hat Peugeot ein Deckslayout entwickelt, bei dem das Laufende Gut unter Deck geführt, die Funktionalität aber nicht beeinträchtigt wird. Das gelang, indem man für den Bereich der seitlichen Sülls bis inklusive Kajütaufbau eine Art Extra-Deck baute, unter dem sich nahezu das komplette Laufende Gut verstecken ließ; eine leichte Sandwichkonstruktion, versehen mit einer lackierten Mahagonifurnier. In Kombination mit dem serienmäßigen Teakdeck, dem grauen Schiebeluk und den ebenfalls grauen Konsolen für Winschen, Hebelklemmen und Instrumente, verleiht diese außergewöhnliche Konstruktion der Tofinou 9.7 eine besondere Eleganz. Beim Testschiff, das mit einem Einbau-Torqeedo motorisiert war, offenbarte sich in diesem Zusammenhang allerdings ein nicht unerheblicher Mangel: Ab Halbgas begann das gesamte Deck zu vibrieren, bei Vollgas war die Vibration so stark, dass man befürchtete, das Boot könnte auseinanderfallen. Da hat man bei Latitude noch mächtig Arbeit vor sich, wobei die Verantwortlichen nicht müde wurden zu betonen, dass diese Erscheinungen beim Einbau-Diesel nicht aufträten.

Durchdachtes Layout

Die Tofinou ist absolut solotauglich, da sich Selbstwendefock, Großschot, Traveller, Niederholer und Unterliekstrecker vom Steuermann bedienen lassen. Sogar Code 0 oder Rollgennaker können über die beidseits vor dem Steuermann positionierte Winsch gefahren werden. Im Normalfall werden die Fallen zum Niedergang geführt, auf Wunsch können aber auch andere Strecker an diese Stelle umgeleitet, oder – wie am Testschiff – zwei zusätzliche Winschen montiert werden.
Auch im Regattamodus funktioniert die Konstellation bestens, was Molino hoch anzurechnen ist. Die Crew kann die jeweiligen Segel optimal trimmen, der Steuermann sich ausschließlich aufs Lenken konzentrieren. Die Großschot wird vom achtern positionierten Traveller über den Baum nach vorne zum Cockpitboden geführt und an der Kreuz wahlweise von Steuermann oder Großschottrimmer gefahren.

Den gesamten Fahrbericht lesen Sie in der Yachtrevue 1/2021, am Kiosk ab 2. Jänner!

Der komplette Bericht als PDF-Download:

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