Leben auf See

Individuelle Lebensentwürfe sind von faszinierender Unterschiedlichkeit. Bord- und Bargespräche mit hauptberuflichen Kapitänen, Skippern, Maaten und Matrosen beeindrucken mich jedes Mal aufs Neue hinsichtlich Lebensgeschichte und Zielsetzungen.
Dabei habe ich mit drei unterschiedlichen Typen häufig Bekanntschaft gemacht:
Maritimer Backpacker. Backpacker reisen mit wenig bis gar keinem Geld und einem Rucksack auf möglichst billige Art durch die Welt. Das maritime Pendant macht das als mehr oder weniger erfahrene Deckshand auf Yachten aller Art. Simon etwa, 19 Jahre jung und aus dem Großraum London stammend, war nach dem Schulabschluss mit 16 einige Zeit im öffentlichen Dienst beschäftigt, später arbeitslos. Jetzt stromert er von Schiff zu Schiff, mit nicht mehr als einer Sporttasche im Gepäck. Wochenverdienst ca. 200 Dollar, dazu Kost und Logis, hin und wieder ein Abstecher nach Hause. Ansonsten: Arbeit an Bord, fremde Länder und Häfen, Winter in der Karibik, Partys. Was kommt später? „Let’s see, I am still young!“
Heißes Herz, kühler Kopf. Das Herz schlägt heiß fürs Segeln, dennoch wird das Leben auf See mit kühlem Kopf geplant. Weit entfernt von romantischen Vorstellungen über ewige Freiheit kombiniert dieser Typ auf bestmögliche Weise Passion und Existenzsicherung. So wie Anderl, Salzburger, Mitte 20, nach Kindheitserfahrungen auf dem elterlichen Boot im Mittelmeer und Publizistikstudium heute zertifizierter Yachtmaster Offshore, erster Maat auf einem Traditionssegler und auf der Suche nach einer Skipperstelle. Er rechnet nüchtern: 15 Jahre Arbeit bei einem Monatsverdienst von 4000–7000 Dollar und kaum Ausgaben für Essen und Wohnung ermöglichen eine finanziell relativ unbeschwerte zweite Lebenshälfte.
Alles neu mit 40. Krisen in der Mitte des Lebens sind ein Klassiker. In der maritimen Variante führen sie zum radikalen Wechsel vom bürgerlichen Brotberuf zum Leben auf dem Wasser. Dem Abbruch aller Brücken folgt ein von vielen Hoffnungen getragener Neuanfang auf See. JoJo, 42-jähriger Deutscher, hat nach dem Ende einer langjährigen Beziehung Pharma-Job und Wohnung aufgegeben und sich auf einer Oceanis 44 CC im Hafen von Palma niedergelassen. Er verdingt sich als Skipper und ist begeistert: von der Umgebung, den unterschiedlichen Schiffen, der Szene, den Bars rund um die Kathedrale mit viel Essen für wenig Geld.
Berufene sind sie allesamt, die See und das Segeln ist ihr Leben. Klar gibt es dunkle Seiten: Wenn der Körper nicht mehr so will, wenn die Partnerschaft belastet ist. Berufungskrisen scheint es trotzdem kaum zu geben – das Leben auf See scheint besser zu sein als alles, was dauerhaft nach Land riecht.

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Ohne Worte

Ressort Kreuzpeilung
Limitierte Auflage. Stück 211/1000, handsigniert, kommt im eleganten Schuber. Die werte Kollegenschaft hat bei meiner turnusmäßigen Wegrotation als Departmentvorstand – wohl aus einer Mischung von Anerkennung und Erleichterung heraus – tief in die Tasche gegriffen und mir „Segelmomente“ geschenkt, einen Bildband des bekannten Segelfotografen Nico Krauss.









 

S/W

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Lockdown-bedingt verläuft der Abend ruhig, untermalt von der Pörtschacher Singgemeinschaft und ihrer Interpretation von „Sing ma im Advent“. Plötzlich draußen ein herzzerreißender Jammerschrei. Ich öffne die Terrassentür – und sehe das Weihnachtsengerl. Verstört lehnt es in der Ecke. Meine einladende Geste beantwortet der Gefiederte nach kurzem Zögern mit dem Eintreten.









 

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Ohne Zugriff auf digitale Welten geht heute (fast) nichts mehr. Das Handy, längst vom Telefon zum elektronischen Allzweckwerkzeug mutiert, erschließt ebendiese im Alltag auf einfache Weise. Das mag man je nach Standpunkt und Umstand bejammern oder begrüßen, Fakt ist: Digital-ohne ist bis auf weiteres nicht mehr vorstellbar.









 

Die Speisekarte macht nicht satt

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Sommerzeit ist Urlaubszeit. Und mit der Urlaubgestaltung ist es so wie mit persönlichem Geschmack: Darüber lässt sich nicht streiten, sondern allenfalls freudig erstaunt, gleichgültig oder sich gruselnd abwendend reagieren. Ersteres ist mir in diesem Sommer angesichts der Urlaubsgestaltung einer (nicht: meiner) Familie am Neusiedler See passiert. Was war gelaufen?









 

Kein Titel!

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Für viele von uns ist das Segeln die schönste Nebensache der Welt. Über lange Jahre war es relativ klar, was es umfasst: Boot, Mast, Segel – und aus. Heute ist das anders – und das hat durchaus Konsequenzen. Auf lokaler Clubebene stellt sich etwa die Frage, ob schwimmende Untersätze wie Elektro- oder Motorboote bei allfälliger Knappheit von Liegeplätzen gleiche Priorität haben sollten wie Segelboote. Auf globaler Ebene wurden die Folgen aktuell sichtbar, als über die Auswahl einer Klasse für die Segelbewerbe vor Marseille bei den Olympischen Spielen 2024 diskutiert wurde. Bei der Vorbereitung der Entscheidung und in Abschätzung der Auswirkungen auf die betroffenen Seglerinnen und Segler, ihre Verbände, die Verankerung von Segeln als olympischen Bewerb und die Attraktivität des Segelsports für Medien sowie breite Öffentlichkeit wurde eines überdeutlich: Es gibt keine Einigkeit darüber, was alles unter „Segeln“ verstanden werden soll.









 

Schatz, ich geh dann mal Segeln!?