Sommerimpressionen

Ein Sommer am See birgt so manches Erlebnis in sich. Nachstehend eine kleine Auswahl.
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Altbekannt unvermeidlich: Unsere Spur im Stau ist die langsamste, Ampeln sind überwiegend rot und das bissbereite Butterbrot fällt immer mit der bestrichenen Seite auf den Boden. Weit gehend ungeachtet der Gegebenheiten konstruieren wir uns die Welt passend zu unserem subjektiven Erleben. Mein Beitrag dazu aus diesem Sommer: El Ni\u00F1o hat einen pannonischen Ableger, der die Windmuster durcheinander bringt. Woher ich das weiß? Nach 40 Jahren am See schien ich gegen Überraschungen gefeit – Fehlanzeige: von 7 bis 12 Uhr strahlender Sonnenschein und 6–7 Beaufort aus Süd – dann ohne erkennbare Wetteränderung fast übergangslos 5–6 aus Nordwest; an einem Tag mehrfacher Wechsel zwischen Flaute und 5 Windstärken; seltsame Winde in einem schmalen Uferstreifen, die Anzeichen von thermischen Winden haben, aber eigentlich keine sein dürften. Ja, ich weiß, woanders ganz normal, Meteorologen könnten das ganz logisch erklären, aber ich weiß auch: Burgenlands El Ni\u00F1o lebt!
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Haben Sie sich auch schon angesichts der LKW-Mengen an einem Sonntagnachmittag über das Wochenendfahrverbot für Brummis gewundert? Mir ging es während der letzten Clubregatta ähnlich. Wir lagen wegen Flaute nördlich des Podersdorfer Schoppens wie angenagelt und ohne Chance auf regelkonforme Fortbewegung. Daher: Alle Zeit der Welt, unsere Umgebung wirken zu lassen. Statt himmlischer, lediglich durch einzelne Möwen oder Fischhupfer angereicherter Ruhe jedoch: fast permanentes Motorengedröhn. Bei Flaute ist jeder Motor im weiten Umkreis zu hören. Und wir hörten viele: Fischer, Ausflugsboot, Fähre, Segelschulbegleitboot, Startschiff 1, Rettungsboot 1, Startschiff 2, Begleitboot 2, Wassertaxi, Feuerwehrboot, Motorrad. Bei Wind gibt es genug Eigengeräusche, ohne Wind ist meditatives Flautenschieben auf dem „motorbootfreien“ See aber nicht (mehr) angesagt.
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Arbeit am Boot im laufenden Betrieb nervt – bei Sonnenschein, Flaute und während des Urlaubs ist sie herrlich. Es sollte nichts Gröberes sein, aber ansonsten finde ich es ausgesprochen entspannend, eine unter Druck vielleicht 40 Minuten dauernde Reparatur unter den genannten äußeren Bedingungen über den gesamten Vormittag hinzuziehen. Im Boot sitzen und das Problem gelassen – man hat ja Zeit! – von mehreren Seiten betrachten; verschiedene Varianten andenken und dann – es ist ja heiß! – ein Pause machen; die Angelegenheit – Club ist Club! – mit ein paar Leuten besprechen; in absichtsvoller Absichtslosigkeit – ich bin im Urlaub! – das perfekte Loch, den formvollendeten Spleiß anstreben. Schließlich wie immer – ich bin auch im Urlaub noch ich! – irgendwo zu patzen, so dass das Ergebnis zwar funktional, nicht aber ästhetisch passt – das nenne ich einen gelungenen Urlaubshalbtag.

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Ressort Kreuzpeilung
Rund um den Neusiedler See passiert Heftiges (siehe auch YR 3/17). Etablierte Clubs, wie der Yachtclub Breitenbrunn oder der Segelclub Weiden, sind in ihrer Existenz gefährdet, weil versucht wird, Grund und Boden anders – sprich: profitabler – zu nutzen als bisher. Bauträger nutzen sogenannte Baulücken, um massiv in das Landschaftsbild einzugreifen und das nicht zum Besseren; eine Unzahl von Windrädern hat ästhetisch ohnehin schon ihre hässlichen Spuren hinterlassen. Was läuft hier ab? Kurz gesagt: der Gentrifizierungs-Oligarchen-Doppelpass. Was das ist? Zwei Phänomene, die sich im konkreten Fall zu einem höchst fragwürdigen Ergebnis ergänzen.









 

Doppelpass im Osten

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Selbst als nur halber Lateiner aus einem naturwissenschaftlichen Realgymnasium habe ich ursprünglich ‚Forum‘ mit dem Forum Romanum assoziiert, das „in republikanischer Zeit politisches, religiöses und ökonomisches Zentrum der römischen Welt“ war und für viele Touristen einen Fixpunkt im Programm eines Rom-Besuchs darstellt. Wir Heutigen haben andere Assoziationen. Forum ist der Platz, an dem wir virtuell, aber wirklich im Internet in einen Dialog – oder was manche davon halten – eintreten. Bei mir ist das nicht anders. Ich leide als bekennender Anhänger des Fußballklubs Austria Wien im entsprechenden Forum, bin dann und wann erstaunt über Äußerungen im Forum meines Yachtclubs oder schockiert über geäußerte Ansichten zur Politik, Dschungelcamp & Co. im Forum von Der Standard.









 

Go Forum

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Die Nordwestpassage öffnet die Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik nördlich von Kanada. Sie ist derzeit vielleicht nicht in aller, aber doch in vieler Munde: Die Seenomaden Doris Renoldner und Wolfgang Slanec lassen uns mit Buch und Multivisions-Show an ihrem abenteuerlichen Törn von Grönland nach Alaska teilhaben. Studien zeigen, dass die Passage zunehmend ohne Meereseis ist. Wirtschaftliche Interessen lassen Der kommerzielle Schiffsverkehr steigt aufgrund wirtschaftlicher Interessen rapide an, was mit möglichen negativen Effekten für die dort lebende Tierpopulation, etwa den Narwal, verbunden ist.









 

Go North-West?

Ressort Kreuzpeilung
Vorweihnachtliche Kälte. Die stille Zeit, oft gar nicht mehr so still, aber am heutigen Abend doch: Die Tasse Tee dampft, Kerzenlicht, ein Buch am elektronischen Lesegerät. Auf einmal ein gedämpftes Geräusch von draußen: „F, f, f.“ Neugierig öffne ich die Terrassentür. Da, etwas lauter: „Fai, fo, fi.“ Stirnrunzelnd will ich wieder zurück, als mit einem pfeifenden Woosh das Weihnachtsengerl vor meinen Füßen landet. In seltsamer Aufmachung allerdings. Auf den Flügeln eine Reihe von Tattoos mit in blauen Wellen geschriebenen Namen wie Paul, Willy, Valentin, Serge, Jochen, Esko, Russel, José, Mateusz, Ian, Ben und Giles und, mit ☹ versehen, Kim.









 

Kein Titel!

Ressort Kreuzpeilung
Vervollständigung meiner Kollektion der Großen Seen im Grenzgebiet von Kanada und USA. Lake Ontario, Lake Erie, Lake Huron, Lake Michigan und Lake Superior (von Ost nach West) sind mit etwa 245.000 km2 die flächenmäßig größte Ansammlung an Süßwasser weltweit, allein Lake Superior ist etwa so groß wie Österreich. Meine Rundreise führte mich u.a. nach Copper Harbor, Michigan, am Ende der Keweenaw-Halbinsel, die fast bis in die Mitte des Lake Superior hineinreicht. Eher bekannt als Paradies für Mountainbiker, hat Copper Harbor auch eine nette, von öffentlicher Hand betriebene Marina. Sieben reguläre Liegeplätze, ein überschaubares Büro und Sanitäranlagen machen es zu einem kleinen, aber feinen Aufenthaltsort für die Segel- und Motorbootgemeinde im südlichen Teil des Sees.









 

Aquatic Hitchhikers

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Rund um meinen 60er mit der besten Ehefrau von allen eine Woche in Israel. Am letzten Tag Abstecher an die Mittelmeerküste, zwei Stunden Strand bei Naharija, etwas nördlich von Akko. Meine déformation professionnelle schlägt durch, daher Blick auf Windrichtung und -stärke sowie Segelaktivitäten: 6–7 Knoten aus rund 300 Grad, zwei Gruppen von Optimisten sowie zwei Laser. Das seglerische Niveau, gemessen an Manövern und Starts, nicht besonders hoch, aber durchaus akzeptabel. Mein Blick schweift nach Norden zur Hügelkette, die zum Meer hin steil zu den weißen Kalkfelsen von Rosch haNikra abfällt und gleichzeitig die Grenze zwischen Israel und dem Libanon an diesem nordwestlichsten Zipfel des Landes bildet. Idyllisch.









 

In Reichweite