SOS

Draußen ist es klirrend kalt, drinnen duften Schoko-Lebkuchen und, neumodisches Zeug hin oder her, würziger Chai. Die vorweihnachtliche Stimmung könnte nicht besser sein. Aber halt: Höre ich nicht ein rhythmisches Kli-kli-kling, Ra-ra-raschel, Kli-kli-kling? Ich öffne die Türe um Nachschau zu halten. Tatsächlich: Da schreitet das Weihnachtsengerl mit seltsam anmutenden Bewegungen über unsere Terrasse. Die charakteristische Stupsnase knapp über den Boden haltend, murmelt es mit leiser Stimme: „Kli-kli-kling, Ra-ra-raschel, Kli-kli-kling.“ 3x kurz, 3x lang, 3x kurz – soll das etwa SOS bedeuten?
Eine Weile betrachte ich stumm dieses Schauspiel. Dann nehme ich mir ein Herz: „Engerl, was treibst du da eigentlich?“ Der Himmlische hält inne und antwortet mit trauriger Stimme: „Bist du der Einzige im ganzen Land, der nicht um den Ernst der Lage weiß?“ Ich werde verlegen und schaue dabei so offensichtlich verwirrt drein, dass das Engerl näher ausführt: „Die segelnde Jugend dieses Landes leidet. Die Bereitschaft zu harter Arbeit ist da, aber nicht das Geld für eine langfristige und professionelle Betreuung. Viele sind guten Willens, aber es braucht den großen Wurf, um hier deutlich was zum Besseren zu wenden. Alle gemeinsam müssen das zu einem Schwerpunkt machen – Clubs, Klassen, Landessegelverbände sowieso, aber auch Mäzene und Förderer, denen der Nachwuchs ein Anliegen ist.“ – „Dein Wort im Gehörgang deines Chefs, Engerl, aber wie soll das geschehen?“ – „Indem sie es so machen wie ich: Ganz bodennah alles aufsammeln, was wertvoll ist, und sich ständig daran erinnern, wie wichtig Münze und Schein, das kleine und das große Geld sind.“ Sprach’s und war auch schon wieder hoch oben in den Lüften, nicht ohne mir allerdings die obligaten Wünsche für den Handbreit Wasser unter dem Kiel für die p.t. Leserschaft aufzutragen.
Nachdenklich kehre ich in die Wärme zurück. Ob das was wird? Bodennah aufsammeln? Auch wenn es riskant ist, den Himmlischen zu misstrauen – aber bräuchte es nicht den großen Wurf? Und wenn ja: Wie müsste der aussehen?

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Vorweihnachtliche Kälte. Die stille Zeit, oft gar nicht mehr so still, aber am heutigen Abend doch: Die Tasse Tee dampft, Kerzenlicht, ein Buch am elektronischen Lesegerät. Auf einmal ein gedämpftes Geräusch von draußen: „F, f, f.“ Neugierig öffne ich die Terrassentür. Da, etwas lauter: „Fai, fo, fi.“ Stirnrunzelnd will ich wieder zurück, als mit einem pfeifenden Woosh das Weihnachtsengerl vor meinen Füßen landet. In seltsamer Aufmachung allerdings. Auf den Flügeln eine Reihe von Tattoos mit in blauen Wellen geschriebenen Namen wie Paul, Willy, Valentin, Serge, Jochen, Esko, Russel, José, Mateusz, Ian, Ben und Giles und, mit ☹ versehen, Kim.









 

Kein Titel!

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Vervollständigung meiner Kollektion der Großen Seen im Grenzgebiet von Kanada und USA. Lake Ontario, Lake Erie, Lake Huron, Lake Michigan und Lake Superior (von Ost nach West) sind mit etwa 245.000 km2 die flächenmäßig größte Ansammlung an Süßwasser weltweit, allein Lake Superior ist etwa so groß wie Österreich. Meine Rundreise führte mich u.a. nach Copper Harbor, Michigan, am Ende der Keweenaw-Halbinsel, die fast bis in die Mitte des Lake Superior hineinreicht. Eher bekannt als Paradies für Mountainbiker, hat Copper Harbor auch eine nette, von öffentlicher Hand betriebene Marina. Sieben reguläre Liegeplätze, ein überschaubares Büro und Sanitäranlagen machen es zu einem kleinen, aber feinen Aufenthaltsort für die Segel- und Motorbootgemeinde im südlichen Teil des Sees.









 

Aquatic Hitchhikers

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Rund um meinen 60er mit der besten Ehefrau von allen eine Woche in Israel. Am letzten Tag Abstecher an die Mittelmeerküste, zwei Stunden Strand bei Naharija, etwas nördlich von Akko. Meine déformation professionnelle schlägt durch, daher Blick auf Windrichtung und -stärke sowie Segelaktivitäten: 6–7 Knoten aus rund 300 Grad, zwei Gruppen von Optimisten sowie zwei Laser. Das seglerische Niveau, gemessen an Manövern und Starts, nicht besonders hoch, aber durchaus akzeptabel. Mein Blick schweift nach Norden zur Hügelkette, die zum Meer hin steil zu den weißen Kalkfelsen von Rosch haNikra abfällt und gleichzeitig die Grenze zwischen Israel und dem Libanon an diesem nordwestlichsten Zipfel des Landes bildet. Idyllisch.









 

In Reichweite

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Ende April in Portsmouth. Während in Österreich der Sommer Urständ feiert, hat es im Herzen der Royal Navy standesgemäß unter 10 Grad. Besuch des Historic Dockyard. Ganz oben auf der britischen Bedeutungsskala vermutlich die HMS Victory, die unter Vize-Admiral Lord Nelson in der Schlacht von Trafalgar gegen die Spanier und Franzosen ikonenhafte Bedeutung erlangte. Ebenfalls beeindruckend: Die HMS Warrior 1860, das erste hochseetaugliche Panzerschiff der Navy mit eisernem Rumpf, die HMS M33, ein küstennah operierendes Kanonenboot aus dem Ersten Weltkrieg mit nur knapp 2 m Tiefgang, das einen Ruf als „lucky ship“ hatte, da sie kein einziges Besatzungsmitglied im Laufe ihres Dienstes verlor, oder die Ausstellung über die 36 Stunden dauernde Seeschlacht vor Jütland 1916 (Skagerrakschlacht) zwischen den von Vize-Admiral Scheer auf deutscher und Admiral Jellicoe auf britischer Seite befehligten Flottenverbänden.









 

Boathouse 4

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Wann hatten Sie das letzte Mal eine Neue? Nichts hält ewig und mit der Zeit wird es mühsam, jedes Mal wie auf Eierschalen zu gehen, wenn man ordentlich aktiv werden will, und sie es nicht zulässt, da eigentlich anders gebaut. Auch energetisieren die deutlich sichtbaren Spuren des Alters wenig im Vergleich zu den rundherum sich anbietenden Schönheiten.









 

Die Neue

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Österreich ist ein Land der Vereine – und das zunehmend. Das entsprechende Register zeigt für 2006 76.436 aktive Vereine und für 2017, ein Plus von fast 15%, 87.330. Wenig überraschend angesichts der dominanten Wanderungsbewegungen: Die absolute Zahl der Vereine nimmt in der Stadt zu und in ländlichen Gebieten – dort allerdings auf Basis einer hohen Vereinsdichte – ab. Bei der Bezeichnung ihrer obersten Leitung wählten die unter dem Dach des OeSV versammelten Vereine biedere bzw. naheliegende Bezeichnungen, i.d.R. Präsident oder Obmann/-frau. Auch die meisten anderen Vereine stellen da keine Ausnahme dar.









 

Biedere Vereinsmeier?