Ant-Arctic-Lab

Norbert Sedlacek will auf einer Yacht aus Vulkansteinfaser solo und nonstop 34.000 Seemeilen durch unwirtliche Reviere segeln und damit die Werbetrommel für nachhaltigen Yachtbau rühren

Ant-Arctic-Lab

Norbert Sedlacek ist ein Extremist, Visionär und Abenteurer. Wortgewaltig macht er seine Projekte publik, zeigt und schürt Emotionen. Seit sich der Österreicher für eine Laufbahn als Profisegler entschieden hat, polarisiert er. Die Menschen lieben oder hassen ihn, wobei die Kritiker im Laufe der Jahre deutlich leiser wurden. Eines hat Sedlacek bereits bewiesen: Er ist kein Großmaul, auch wenn er viel und gerne redet. Jedes Projekt, das er bisher begann, setzte er auch tatsächlich um. Von Rückschlägen ließ er sich nie aus der Bahn werfen. Im Gegenteil: Er lernte daraus, nahm einen neuen Anlauf und erreichte letztendlich seine Ziele.

Seine Leistungen im Offshore-Bereich sind hierzulande einzigartig: In seinen Anfängen umrundete Sedlacek die Welt auf der Barfußrute, danach segelte er auf einer Aluminiumyacht um die Antarktis (Projekt Icelimit) und nahm als bislang einziger Österreicher an der Vendée Globe teil. Das erste Mal mit einer Alu-Yacht, die eher Seelenverkäufer als Rennziege war. Der Designer wollte sie eigentlich aus dem Verkehr ziehen, rückte deshalb die Konstruktionsdaten nicht heraus und zwang Sedlacek damit, den nachträglich installierten Kippkiel neu zu dimensionieren. Zu allem Überdruss war das Spanten-Stringer-Gerüst vom Vorbesitzer derart laienhaft verstärkt worden, dass die Streben bei Belastungen, wie sie für den Southern Ocean typisch sind, die Spanten durchgedrückt und die Außenhaut im Bugbereich beschädigt hätten. Wie riskant das Unternehmen Vendée mit diesem Material gewesen ist, war in der Öffentlichkeit kaum bekannt, und Sedlacek blieb von einer Katastrophe vermutlich nur deshalb verschont, weil der Kippkiel bereits am Weg nach Kap Hoorn seinen Geist aufgab und der damals 42-Jährige das Rennen vorzeitig beenden musste.

Im zweiten Anlauf mit der identen, aber dank finanzieller Unterstützung von Kapsch nun seetüchtigen und einigermaßen renntauglichen Yacht kam Sedlacek ins Ziel. Er beendete die Vendée Globe zwar als Letzter, wurde aber in Les Sables d’Olonne mit frenetischem Jubel begrüßt. Mehr noch: Für die Einheimischen ist der verrückte Österreicher bis heute ein Held, die französische Segelmetropole Sedlaceks nautische Wahlheimat.

Szenenwechsel

Die Vendée Globe ist für Sedlacek abgehakt. Für eine Teilnahme mit konkurrenzfähigem Material braucht es heute mindestens fünf Millionen Euro, das will und kann sich der ehemalige Straßenbahnfahrer nicht leisten. Seine Zukunft sieht er vielmehr im umweltfreundlichen und nachhaltigen Bootsbau. Das erste Projekt zu diesem Thema setzte er 2013 mit Fipofix um, einem 16 Fuß kleinen, komplett aus Vulkansteinfaser gefertigten Yacht. Um deren Tauglichkeit für die industrielle Fertigung im allgemeinen und für den Bootsbau im speziellen zu belegen, ließ Sedlacek seinen Sohn Harald auf dem Winzling nonstop und solo von Les Sables d’Olonne nach Palm Beach und wieder retour segeln; dabei legte dieser rund 8.000 Seemeilen zurück.
Der Beweis gelang also, genauso wichtig war Sedlacek aber die Tatsache, dass sämtliches Baumaterial recycelt und zu neuen Werkstoffen oder Produkten, etwa Platten, Verstärkungsmaterial oder Blumentöpfen verarbeitet wurde. Auch die Yacht selbst könnte in einem zweiten Leben als Küchen-Arbeitsplatte enden, Sanitärräume verkleiden oder als Fläche mit hoher Abriebfestigkeit dienen.

Fipofix war ein technologischer Erfolg, wirtschaftlich gesehen hingegen ein Flop. Zuerst fiel die Firma Asatec als Lieferant des Rohmaterials aus, dann zeigte sich, dass die Werften nicht bereit waren die Mehrkosten, die eine Umstellung auf Vulkanfaser mit sich bringen würde, zu tragen. Als Konsequenz musste Fipofix zugesperrt werden. Für einen Sedlacek kein Grund, deshalb das Handtuch zu werfen. Im Gegenteil: Er übernahm das technische Equipment und gründete gemeinsam mit seiner Frau Marion Koch die Firma Innovation Yachts. Und ist nun am besten Weg sein bislang verwegenstes Unterfangen in die Realität umzusetzen.

Denn mit Innovation Yachts verfolgt Norbert Sedlacek im Wesentlichen zwei Absichten. Sportliches Ziel ist die sogenannte Ant-Artic-Lab, eine noch nie dagewesene Solo-Nonstop-Fahrt über 34.000 Seemeilen, die von Les Sables d’Olonne durch die Nordwest-Passage den Pazifik nach Süden rund um die Antarktis, zwei Mal an Kap Hoorn vorbei und schließlich via Südatlantik und Aquator zurück nach Les Sables führen soll – typischer Sedlacek-Wahnwitz.

Die gesamte Story über Sedlaceks neuestes Abenteuer lesen Sie in der Yachtrevue 5/2017, am Kiosk ab 5. Mai!

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