Unvorhersehbare Hürden

Katharina Hirschl und Wolfgang Sperger, die sich über ein Jahr lang intensiv auf ihre Weltumseglung vorbereiteten, über Zickzack-Stich, eine barocke Segelwerkstatt und die Aussagekraft von leeren Klopapierrollen

Unvorhersehbare Hürden

Hilflos sitzt uns die durchaus engagierte Wiener Magistratsbeamtin gegenüber. Wir haben ihr gerade erklärt, dass wir eine Verlustanzeige für eine 3 x 4 cm große blaue Plakette für die belgische Schifffahrtsbehörde benötigen. In englischer Sprache. Tja.
Die Vorgeschichte ist kompliziert: Unser neu erstandenes Boot wurde von seinem italienischen Vorbesitzer unter belgischer Flagge angemeldet. Nun wollen wir es in Österreich anmelden und dafür benötigen wir eine Abmeldungsbescheinigung von den Belgiern. Leichter gesagt als getan. Die Belgier verlangen nämlich ihre „blaue Plakette“ zurück – bis heute haben wir keine Ahnung, was das eigentlich sein und wo am Boot sie sich befinden sollte. Also pilgern wir zum Magistrat. Und halten schlussendlich tatsächlich eine Verlustanzeige in halbwegs annehmbarem Englisch in Händen.
Solch unvorhersehbare Hürden erwarteten einen also, wenn man die Welt umsegeln will. Dabei dachten wir, dass wir den schwierigsten Teil mit der erfolgreichen Suche nach einem brauchbaren Schiff hinter uns gebracht hätten. Entdeckt haben wir unsere 15 Jahre alte Oceanis 361 bei einem Urlaub in Südfrankreich in einer gewöhnungsbedürftigen Marina mit monströser Bebauung aus den Siebzigerjahren nahe Nizza. Es war das sechste Boot, das wir uns angesehen hatten. Wir waren mit dem Zustand sehr zufrieden und die Macken, die es hatte, sahen zu diesem Zeitpunkt weder wir noch unser Sachverständiger. An Ausstattung und Zustand des Bootes erkannte man deutlich, dass der Vorbesitzer weder ein ambitionierter Segler war noch größere Ausfahrten unternommen hatte. Unsere Aufgabe ist es nun, aus diesem „Schönwetterboot“ eine voll einsatzfähige Blauwasseryacht zu machen, mit der man monatelang ohne Boxenstopp unterwegs sein kann.
Ein zentrales Thema ist die Energieversorgung. Wir suchen nach einer Lösung, die langfristig unseren kompletten Bedarf deckt, ohne dass wir die Maschine starten oder über Landstrom verfügen müssen. Da wir vorhaben entlang der Passatroute zu segeln, entscheiden wir uns für eine Photovoltaikanlage. In Eigenregie fertigen und montieren wir einen Geräteträger am Heck des Bootes und bestücken ihn mit vier Solarpanelen zu je 130 Watt Leistung sowie den dazu notwendigen Ladereglern.
Zusätzlich installieren wir eine Batteriebank mit 400 Ah Kapazität und einen Inverter um Haushaltsgeräte wie Wasserkocher, Staubsauger oder elektrische Zahnbürste betreiben zu können. Unser bescheidener Strombedarf sollte damit in jeder Lebenslage gedeckt sein.
Schneidermeister
Bei der Bootsausstattung schlägt der „Vorarlberger Hüsle-Bauer-Wahn“ voll zu. Neben dem Geräteträger und der Ergänzung der elektrischen Installationen montieren wir auch Maststufen selbst und nähen zu guter Letzt auch unsere Segel um. Dabei sind die handwerklichen Voraussetzungen, die wir mitbringen, nicht gerade die besten. Kathi kann Menschen zusammennähen, Wolfi hatte textiles Werken in der Unterstufe. Was also tun, wenn man 150 Quadratmeter Segeltuch an der Backe hat? Man kauft das Buch „Sailmakers Apprentice“, liest es aufmerksam, gibt auf Youtube „Sailrepair“ ein und bestellt die nötigen Materialien. Dann braucht man nur noch eine richtig große Räumlichkeit. Den guten Beziehungen zur Pfarre Maria Hilf verdanken wir das barocke Ambiente unserer improvisierten Segelwerkstatt: Im Salvatorsaal, der sonst für Konzerte und Hochzeiten genutzt wird, basteln wir aus der großen, sonnenverschlissenen Genua eine Fock. Wir schneiden einfach aus dem großen Dreieck ein kleines heraus und nähen die Ränder um. In Summe ergibt das rund 20 Meter Zickzack-Stich, wobei aufgrund der Dicke des Materials jedes (!) Loch mit Hammer und Piekser vorgestanzt werden muss.

Den gesamten Bericht lesen Sie in der Yachtrevue 3/2016, am Kiosk ab 26. Februar. Er ist Teil eines ausführlichen Blauwasser-Spezials, in dem weitere Blauwassersegler, die sich in unterschiedlichen Phasen ihrer Auszeit befinden, zu Wort kommen.

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