Sterne des Südens

Der Kärntner Traditionsbetrieb Boote Schmalzl wurde vor 60 Jahren gegründet und steht für eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, an der mittlerweile die dritte Generation beteiligt ist

Sterne des Südens

Wenn du der Zweitjüngste von zehn Geschwistern bist, brauchst du nicht darauf hoffen, einmal Haus und Hof übernehmen zu dürfen. Also absolvierte Ernst Schmalzl nach Ende der Pflichtschulzeit eine Lehre. 1938 hatte es den damals Neunjährigen gemeinsam mit seiner vielköpfigen Familie von Südtirol an den Ossiacher See verschlagen. Die Eltern betrieben dort in Folge ein Hotel, er selbst, der von den Elementen Wasser und Holz gleichermaßen fasziniert war, ließ sich zum Bootbauer ausbilden. 1959 machte er sich in der Garage des Hotels, das anschließend sein Bruder bis zu dessen Verkauf führte, mit einem kleinen Betrieb selbständig. Möve-Bootsbau hieß er, genoss bald einen ausgezeichneten Ruf in der Region und entwickelte sich entsprechend.

Dass daraus eine der renommiertesten Werften Österreichs wurde, die an drei Standorten für alle Anliegen rund um das Thema Boot als kompetenter Ansprechpartner fungieren kann, ist aber der nächsten Generation zu verdanken: Sohn Wolfgang stieg 1972, unmittelbar nachdem er die HTL in Villach erfolgreich abgeschlossen hatte, in das Unternehmen ein und übernahm 1976 in alleiniger Verantwortung eine vorerst gepachtete Niederlassung in Velden. „Das war eine Art Befreiungsschlag“, erinnert sich Wolfgang Schmalzl an die Anfänge, „ich war 22 und hatte am Wörthersee meinen eigenen Bereich, in dem ich mich entfalten und meine Ideen umsetzen konnte.“ Und Ideen schwirrten jede Menge in seinem Kopf herum. Wachsen, neue Märkte erschließen, investieren, riskieren – dafür brannte der junge Visionär. Bewahren, vorsichtig sein, nur ausgeben, was man schon verdient hat – diesen Werten fühlte sich der konservative Alte verpflichtet. Einmal hü, einmal hott, das geht nur eine Zeitlang gut; irgendwann muss einer die Zügel ganz übernehmen und die Richtung vorgeben. 1989 war es soweit: Wolfgang Schmalzl kaufte die Werft in Velden, Ernst Schmalzl, der diesen Schritt nicht mitgehen wollte, übergab ihm den Betrieb und ging zufrieden in Pension.

Es folgten zwei Jahrzehnte des Aufbaus und der Erweiterung. In Velden entstanden eine moderne Marina-Anlage, Bootshaus und -kran, später auch neue Büro- und Verkaufsräumlichkeiten, im nahen Lind wurde eine 1.500 Quadratmeter große Halle mit Winterlagerplätzen für rund 180 Boote errichtet. Boote Schmalzl florierte und war auch als Händler eine Macht im Süden Österreichs.

Raub der Flammen

Und dann kam der 17. April 2009. Kurz vor Mitternacht brach in einem Bootshaus ein Brand aus, der sich binnen kürzester Zeit auf das gesamte Gelände ausbreitete. Meterhoch schlugen die Flammen in den Himmel, es bestand akute Explosionsgefahr, 160 Feuerwehrleute waren bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz. Von der schmucken Werft blieben nur noch rauchende Ruinen, 14 dort gelagerte Yachten wurden komplett zerstört, darunter Oldtimer-Unikate von unschätzbarem ideellem Wert. Ursache für den Brand dürfte eine defekte Steckdose oder ein defektes Ladegerät für einen Akkuschrauber gewesen sein, der Gesamtschaden an Booten und Infrastruktur belief sich auf rund vier Millionen Euro.

Wolfgang Schmalzl stand vor bis auf die Grundfesten niedergebrannten Hallen, aber dank einer adäquaten Versicherung nicht vor den Trümmern seiner Existenz.

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