Stimme der Vernunft

Vor 30 Jahren wurde in Tirol die Charterfirma Trend Travel & Yachting gegründet. Was mit der Leidenschaft fürs Segeln begann, wuchs sich zu einem professionellen Betrieb aus, in dem heute drei Generationen zusammenarbeiten

Stimme der Vernunft

Am Anfang war die Liebe zum Meer. Bei Albert Grassl, dem Gründer von Trend Travel & Yachting, wurde diese früh geweckt. Schon in den 1960er Jahren zog es die Familie im Sommerurlaub von der Tiroler Bergwelt ans Wasser. „Mein Vater war ein Bastler und so wurde eines Tages der Plan gefasst ein Segelschiff zu bauen“, erzählt der nunmehrige Seniorchef von Trend Travel & Yachting. Ein Plan, der im elterlichen Schlafzimmer im zweiten Stock eines Miethauses in Wörgl in die Tat umgesetzt wurde. Die 4,20 Meter lange Mahagoni-Jolle, die die Familie über Jahre hinweg im Urlaub neben Auto und Wohnwagen begleitete, sollte nicht der einzige Selbstbau bleiben.

Als nächstes zimmerte Albert Grassl aus Sperrholz einen Wharram-Katamaran für die mittlerweile selbst gegründete Familie. Seine Segeleigenschaften waren bescheiden, die daraus folgenden Erkenntnisse ernüchternd. „Ein Schiff selbst zu bauen ist der größte Schwachsinn. Man spart sich dadurch nichts. Noch einmal wollte ich mir das nicht antun“, schildert Albert Grassl seinen Lernprozess. Das folgende Boot, ein GfK-Modell mit Schlupfkajüte, wurde also gekauft. Gemeinsam mit den Kindern Christian, Hannes und Margit unternahmen Albert Grassl und seine Frau Klara damit ihre ersten längeren Törns durch die Inselwelt der Kornaten. Fünf Personen auf fünf Meter Länge – Segeln in den 1970ern war eben noch Abenteuer, nicht Luxus.
Die Streifzüge durch den Archipel machten Lust auf mehr. Eine hochseetaugliche Yacht musste her. Man durchforstete Yachtzeitschriften nach Verkaufsannoncen und wurde schließlich in Rhodos fündig. Die erste Ausfahrt mit der Prospect 900 namens Sunrise, die mit Selbststeueranlage und Windfahne wie für eine Weltumseglung ausgerüstet war, ging in die Annalen der Familie ein. Von Pomer aus ging es über den Kvarner nach Mali Losinj. Als die Deutsche Welle eine Bora in Orkanstärke ankündigte, beschlossen die Grassls sich in die geschützte Bucht Artatore zu verholen. „Und alle anderen Yachten sind hinter uns her. Die dachten: So wie das Boot ausschaut, haben die sicher viel Erfahrung. Wir hatten in Wirklichkeit keine Ahnung, aber das mit Überzeugung“, lächelt Grassl. Die Bora brachte zwar viel Regen und eine durchwachte Nacht, fiel aber bei weitem nicht so schlimm aus wie vom Wetterdienst prognostiziert.

Schnell wurde klar, dass eine eigene Yacht viel Mühe bedeutet. Antifouling, Ein- und Auswintern, Wartungs- und Reparaturarbeiten – zu viel für die wenigen kostbaren Urlaubswochen.

Rechenleistung

Die Lösung schien ein Kaufcharter-Modell sein, dass den Grassls 1987 vom Wiener Charterunternehmen Austro Yachting angeboten wurde. Die Familie erstand zwei Bavarias mit 30 und 38 Fuß, die in der Karibik verchartert wurden. Aber: „Man hat viel versprochen, aber wenig gehalten. Die Auslastung hat überhaupt nicht gepasst“, sagt Grassl. Albert und Klara, beides gelernte Buchhalter, begannen zu rechnen – und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis. Die Tiroler nahmen die Vercharterung der beiden Yachten selbst in die Hand, parallel dazu gründete Klara die Firma Tirol Yachting. Der Grundstein für den Einstieg ins Charterbusiness war gelegt. „In Eigenregie haben wir sofort eine gute Auslastung erzielt“, erinnert sich Grassl.

Um den Charterkunden auch Reise-Dienstleistungen aus einer Hand anbieten zu können, wurde drei Jahre später in Wörgl ein eigenes Reisebüro unter dem Namen Trend Travel & Yachting eröffnet; die Leitung übernahm Tochter Margit, eine gelernte Reisebüro-Kauffrau.

Das gesamte Porträt des Tiroler Traditionsunternehmen finden Sie in der Yachtrevue 11/2017, am Kios ab 3. November!

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