Gleichberechtigung am Wasser

Auf dem Tri Musandam Oman-Sail gehört eine junge Muslimin zur Crew

Gleichberechtigung am Wasser

Wenn kommenden Samstag am Vormittag der Startschuss zum Welcome Race der seegehenden Yachten nach Eckernförde und damit zur Kieler Woche 2015 fällt, werden sich die Blicke der Segelfans wieder auf den Streckenrekordhalter richten, den pfeilschnellen MOD70-Trimaran „Musandam Oman-Sail“. Dabei dürfte dem Publikum ein Crewmitglied mit ungewöhnlicher Kopfbedeckung nicht entgehen. Es ist Ibtisam Al Salmi, eine Frau aus dem Sultanat Oman, die vorbildhaft für die Initiative Oman Sail steht. Denn diese hat zum Ziel, nicht nur junge Männer des muslimischen Lands über den Segelsport in ihrer Persönlichkeit weiter zu entwickeln, sondern auch Chancengleichheit im besten Sinne zu gewähren.
Schon im ersten Jahr 2011 bewarben sich mehr als 150 Frauen für das spezielle, „feminine“ Segel-Programm, das seitdem zu einer wichtigen Säule von Oman Sail geworden ist. Die besten 30 wurden als Trainee aufgenommen und 21 schafften bereits in der ersten Saison die Prüfung zur vom Weltsegelverband ISAF anerkannten Segellehrerin. Seitdem sind drei Viertel aller Kinder, die von der Kampagne ähnlich dem Kieler Camp24sieben an den Segelsport herangeführt werden, Mädchen! Die Weltmeisterschaft der Laser Radial-Klasse dieses Jahr im eigenen Land dürfte zwar nur den Top-Seglerinnen offen stehen. Der Traum vieler ist jedoch irgendwann einmal eine Olympiateilnahme.

Für höhere Herausforderungen trainiert auch Ibtisam Al Salmi. Als Regattaseglerin war sie schon auf dem Vorschiff und im Cockpit der Farr 30- und der J/80-Klasse aktiv. Sie war eine der allerersten Omanerinnen, die 2011 zu Oman Sail kamen, und hat es nie bereut, die Chance beim Schopf gepackt zu haben, segeln zu lernen. Seitdem nahm Al Salmi an Regatten in Europa und im Oman teil – dreimal die EFG Sailing Arabia – The Tour und als Stammmannschaft des J/80-Teams von Oman Sail im Frühjahr und Sommer in Europa. Ibtisam hat am College studiert und war eine Touristenführerin, bevor sie Segel-Profi wurde. Ihr großes Ziel ist es, weitere Mädchen zu inspirieren, ihren Fußspuren zu folgen.

Auf dem MOD70 wird sie von den professionellen Fertigkeiten der internationalen Crew um den französischen Skipper Sidney Gavignet lernen. Der hat für das Welcome Race mit dem Hamburger Boris Herrmann sowie dem Monegassen Pierre Casiraghi zwei zusätzliche Hochkaräter zu Gast, für die es nicht nur die MOD70-Premiere wird, sondern auch das erste Mal in einer Mannschaft mit arabischen Seglern. Dazu gehört auch Stammcrewmitglied Moshin Al Busaidi, der erste Araber überhaupt, der einmal um die Welt segelte. Gemeinsam wollen sie versuchen, den eigenen Streckenrekord aus dem Vorjahr zu brechen, der seitdem bei 107 Minuten und 22 Sekunden für den 27,5 Seemeilen langen Kurs steht.

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