Schlaflos durch die Nacht

Nach Sonnenuntergang zu segeln statt in der bequemen Koje zu liegen, ist nicht jedermanns Sache. Weltumsegler Florian Zeh gibt Tipps, wie man der Nachtfahrt den Schrecken nimmt und sie zu einem unterhaltsamen Abenteuer machen kann

Schlaflos durch die Nacht

Nachtfahrt – dieser Begriff löst bei vielen Seglern Unbehagen, bei manchen sogar Angst aus. Oft ist es aber unumgänglich, in der Dunkelheit unterwegs zu sein, etwa weil es die Gezeiten vorgeben, man an einer Langstrecken-Regatta teilnimmt, ein passendes Wetterfenster bzw. eine Windpause nutzen oder einen großen Ozean überqueren will. Bei einem Charter- bzw. Urlaubstörn verschafft einem eine Nachtfahrt zudem eine erhebliche Erweiterung des Aktionsradius. Es ist also lohnenswert, sich den typischen Herausforderungen eines nächtlichen Segeltörns zu stellen. Und mit der richtigen Planung und Herangehensweise lassen sich diese auch durchaus meistern.


SCHLAFMANGEL
Es ist notwendig, nachts Ausschau zu halten, da möglicherweise Fischer und Großschifffahrt unterwegs sind, die nicht reagieren können bzw. Vorfahrt haben. Aber auch eventuell an Bord auftretende technische Gebrechen gilt es – wie tagsüber auch – rasch in den Griff zu bekommen.
Da der Skipper wie jeder andere auch seinen Schlaf braucht und in Notfallsituationen fit und nicht übermüdet sein sollte, muss die Nacht in Wachen aufgeteilt werden.
Prinzipiell ist die Nachtwache von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang zu halten. Allerdings hat es sich bewährt, für die Nachtwache zwölf Stunden, von 20:00 bis 08:00 Uhr, zu veranschlagen, zumindest in unseren Breiten, in denen die Sonne im Sommer spät untergeht. Bei zwei Personen an Bord sind Wachen zu je drei Stunden (20:00–23:00, 23:00–02:00, 02:00–05:00 und 05:00–08:00) sinnvoll, sodass jeder in Summe sechs Stunden Schlaf erhält. Bei drei Crew-Mitgliedern kann die Wache auf je zwei Stunden (20:00–22:00,22:00–24:00, 24:00–02:00, 02:00–04:00, 04:00–06:00, 06:00–08:00) reduziert werden, sodass jeder insgesamt acht Stunden Schlaf erhält.
Bei vier Personen kann man je zwei Personen für eine gemeinsame Doppelwache zu je drei Sunden einteilen, bei fünf Personen empfiehlt sich eine Dreierwache und eine Doppelwache zu je drei Stunden und bei sechs Personen drei Doppelwachen zu je zwei Stunden. Jeder muss sich darauf verlassen können, dass er Ruhezeit hat. Und jeder muss wissen, wann er Wache schieben muss, damit er sich entsprechend darauf vorbereiten kann.
Bei Schlechtwetter, extremen Situationen und dicht befahrenen Gebieten sollte man die Dauer der Wache reduzieren, da die Konzentration unter Belastung schneller nachlässt.

Und wie macht das der Einhandsegler?
Wenn möglich gar nicht, da es sehr strapaziös ist. 15-minütige Schlafintervalle und dazwischen jeweils ein Rundumblick, das geht eine Nacht lang ganz gut und wird ab der dritten Nacht zur Tortur. Schlafmangel ist also bei einer Überfahrt der ständige Begleiter des Einhandseglers. Was schlimmstenfalls passieren kann, hat man bei der letzten Vendée Globe gesehen, als Boris Herrmann kurz vor dem Ziel mit einem spanischen Fischerboot kollidierte. Auch ich wäre im Sudan fast mit einem Frachter zusammengestoßen. Hätte ich 30 Sekunden später hinausgeschaut, wäre ich an seiner Backbordwand geklebt.

DUNKELHEIT
Aller Anfang ist schwer, daher sollte man es sich für die erste Nachtfahrt so leicht wie möglich machen und ein einfaches Fahrtgebiet wählen. Gut geeignet sind Reviere, die nicht allzu stark befahren sowie möglichst frei von Großschifffahrt sind und wenig Gefahrenstellen (wie z. B. Untiefen) aufweisen. Die Route sollte gut vorbereitet sein. In der Nacht ist eine gewissenhafte Planung noch wichtiger als untertags. Wegpunkte, Kurse, Entfernungen, Seezeichen, Leuchtfeuer und Gefahrenstellen am besten auf einen Notizzettel übertragen, der stets beim verantwortlichen Wachführer verbleibt.

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