Frühlingserwachen

Mein Segelfrühling beginnt traditionsgemäß bei den Ruster Segeltagen beim BYC, diesmal mit Sprintos und Sharks. Der stramme Wind führte beim Treffen dreier Sprinto-Frauen, darunter eine unserer Töchter, zu einem kurzen, aber intensiven Austausch über nicht für existent gehaltene, aber von den Vortagsaktivitäten über Gebühr angespannte und mit Milchsäure katerartig versetzte Muskelpartien. Der Herr der Schöpfung (= ich) darauf lässig, mit breitem Grinsen und den eigenen Schmerz tapfer verbergend: „Richtige Männer kennen so etwas nicht.“ Darauf das Fräulein Tochter: „Na, Papa, so wie du heute aufgestanden und herumgewackelt bist, hat das aber auf etwas anderes hingedeutet.“ Hat man dafür in jungen Jahren seine Nächte geopfert, um sich so etwas anzuhören? Am Abend dann der eigene Vater mit skeptischem Blick auf meine Gesamterscheinung kurz vor dem Duschen vielsagend: „Wie viel wiegst du eigentlich jetzt?“
War jedenfalls heute im hauseigenen Mini-Fitnessraum und habe intensiv, hart und vergeblich an meinem mehr und mehr verbleichenden Luxuskörper gearbeitet.
Morgendliches Dreiergespräch auf der Herrentoilette kurz vor dem Auslaufen. Alle angespannt, alle damit beschäftigt, ihr bestes Stück aus dem Segelgewand zu fummeln. Auftritt Clubmitglied. Ein deutliches ‚Guten Morgen‘ verhallt zunächst ungehört und sickert erst langsam ein, was mit einem leicht säuerlichen ‚Hier kann anscheinend niemand Deutsch!‘ quittiert wird. Mein anschließender Gruß hat das vermutlich nicht kalmiert, daher auf diesem Weg: Liebes Clubmitglied, wenigstens ich bin deutlich verlangsamt in meinen Reaktionen in solchen Situationen, diesbezügliches Multi-Tasking ist nicht meins (offensichtlich ging es meinen Kollegen nicht anders). Daher: grüßliches Erbarmen mit gestressten Regattierern!
Die kleine Flotte der österreichischen Sharks wurde bereichert durch Gäste vom Wassersportverein Ornbau, einem Yachtclub nahe Nürnberg: Drei gemütliche ältere Herren, an Land einem Plauscherl nicht abgeneigt, am Wasser schon von weitem durch leuchtend orange Schwimmwesten gut erkennbar. Seglerisch schlug ihre große Stunde in der dritten Wettfahrt. Nachdem die ersten beiden Wettfahrten mit Kurs 1 (‚inner loop‘) absolviert waren, nahm das ganze Feld selbiges auch für die dritte und letzte Wettfahrt des Tages an. Das ganze Feld? Nein, die wackeren Franken (und eine zweite Mannschaft) hatten entdeckt, dass diesmal Kurs 2 (‚outer loop‘) angesagt war. Ich wäre gerne Mäuschen an Bord gewesen, denn es gehört einiges dazu, sich gegen das ganze Feld zu entscheiden und sicher zu sein, dass man beim Start einen Zweier gesehen hatte. Und: Warum der Wechsel des Kurses – wollte die Regattaleitung das Feld flexibel und aufmerksam halten? Oder hatte man einfach vergessen, nach den vorher startenden Sprintos umzustecken? Wie dem auch sei, Platz 2 für die fränkische Shark und danach nur mehr DSQ in dieser Wettfahrt. Merke: ein kurzer Blick zahlt sich manchmal lange aus.

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Ressort Kreuzpeilung
Krisen ziehen mir den Nerv. Ja, klar, auch im Sinne direkter Betroffenheit. Aber eigentlich noch mehr wegen der Art und Weise, worauf wir das Label „Krise“ picken und wofür wir Krise verantwortlich machen.









 

Esel statt Sack

Ressort Kreuzpeilung
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Ohne Worte

Ressort Kreuzpeilung
Limitierte Auflage. Stück 211/1000, handsigniert, kommt im eleganten Schuber. Die werte Kollegenschaft hat bei meiner turnusmäßigen Wegrotation als Departmentvorstand – wohl aus einer Mischung von Anerkennung und Erleichterung heraus – tief in die Tasche gegriffen und mir „Segelmomente“ geschenkt, einen Bildband des bekannten Segelfotografen Nico Krauss.









 

S/W

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Lockdown-bedingt verläuft der Abend ruhig, untermalt von der Pörtschacher Singgemeinschaft und ihrer Interpretation von „Sing ma im Advent“. Plötzlich draußen ein herzzerreißender Jammerschrei. Ich öffne die Terrassentür – und sehe das Weihnachtsengerl. Verstört lehnt es in der Ecke. Meine einladende Geste beantwortet der Gefiederte nach kurzem Zögern mit dem Eintreten.









 

Mehr Wir, weniger Ich

Ressort Kreuzpeilung
Ohne Zugriff auf digitale Welten geht heute (fast) nichts mehr. Das Handy, längst vom Telefon zum elektronischen Allzweckwerkzeug mutiert, erschließt ebendiese im Alltag auf einfache Weise. Das mag man je nach Standpunkt und Umstand bejammern oder begrüßen, Fakt ist: Digital-ohne ist bis auf weiteres nicht mehr vorstellbar.









 

Die Speisekarte macht nicht satt

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Sommerzeit ist Urlaubszeit. Und mit der Urlaubgestaltung ist es so wie mit persönlichem Geschmack: Darüber lässt sich nicht streiten, sondern allenfalls freudig erstaunt, gleichgültig oder sich gruselnd abwendend reagieren. Ersteres ist mir in diesem Sommer angesichts der Urlaubsgestaltung einer (nicht: meiner) Familie am Neusiedler See passiert. Was war gelaufen?









 

Kein Titel!