Auf der Suche nach der Stille
Ozeanien. Die aktuelle große Reise führte die Seenomaden zuletzt durch den Südpazifik. Sie segelten zu den Fidschi-Inseln und verwandelten ein Traumbild in gelebte Realität
Angekommen. Einsamkeit auf dem unbewohnten Inselchen Vunivesi im Süden des Kadavu-Archipels
Da war dieses Foto in Wilfried Erdmanns Buch „Gegenwind im Paradies“ – die Kathena faa, ruhig vor Anker in einer Bucht von Kadavu, aufgenommen in den 1970er-Jahren. Ein Bild, das sich bei uns unauslöschlich in die Netzhaut brannte und eine unauslöschliche Sehnsucht entzündete. Kadavu war unsere Zauberformel, Inbegriff eines fernen Traums. Und doch besuchten wir die grüne Insel weder während unserer ersten noch unserer zweiten Weltumsegelung. 1996 lag Fidschi nicht auf unserer Route, 2006 rauschten wir auf dem Weg nach Neuseeland tief gerefft daran vorbei. „Beim nächsten Mal“, versicherten wir einander. Aber das Leben verfliegt schnell. Nie hätten wir gedacht, dass wir erst 19 Jahre später nach Fidschi zurückkehren würden.
Doch 2025 segeln wir tatsächlich nach Kadavu. Nicht nur der Nostalgie wegen, sondern weil wir suchen, was immer seltener wird. Einsamkeit. Abgeschiedenheit. Entlegenheit. Nach einigen Wochen in den viel besuchten Yasawas und Mamanucas fühlt sich unser Fidschi-Aufenthalt unvollständig an. Wir sehnen uns nach Ursprünglichkeit und wilder Schönheit. Eine Nachtfahrt bringt uns von Denarau zu dem zerfransten Archipel, rund 80 Kilometer südlich von Viti Levu. Vorsichtig tasten wir uns durch eine unmarkierte Riffpassage; auf der Seekarte warnen unzählige kleine Kreuze vor Felsen, Steinen und Untiefen. Dazu graues Meer, verhangener Himmel, schlechte Sicht. Schließlich fällt der Anker an der Westseite der kleinen Insel Ono. Ein guter Ankerplatz am Ende einer Überfahrt ist bereits das halbe Königreich, das es zu gewinnen gilt.
Im Nabouwalu Village führt der erste Weg zum Chief. Niemand besucht ein fidschianisches Dorf mit leeren Händen. Unser „Sevusevu“ – ein Bündel YaqonaWurzeln – wird mit Freude entgegengenommen. Aus den zerriebenen Wurzeln wird Kava gebraut, ein erdig schmeckender, narkotisierender Trank, der ein wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens in Fidschi ist. Wir schlendern durchs fast menschenleere Dorf, baden die Füße in heißen Schwefelquellen, streifen durch Plantagen, fischen vom Dingi aus und verbringen lange Abende mit Daniela und Mirko von der Yum Yum, unserem Buddyboat. Wir genießen die Gesellschaft der beiden jungen Leute, die aus der Schweiz bzw. aus Vorarlberg stammen. Sie nehmen alles, wie es kommt, lassen sich treiben und packen das Leben mit jener Leichtigkeit, die im Alter manchmal verloren geht.
Als sich schlechtes Wetter ankündigt, verholen wir uns an die Südostküste von Kadavu. In der geschützten Vatululu Bay ankert bereits eine Handvoll Yachten. Die schwere, drückende Luft ist uns nicht geheuer, ebenso die Farbe des Himmels, die knisternde Atmosphäre. Fremdes Meer, fremde Gesetze.