Burrasca

Die österreichische Manufaktur Belassi will mit hochwertigen, individuell gefertigten Personal Watercrafts im Luxussegment durchstarten. Roland Duller hat die Produktionsstätte besichtigt und den Burrasca getestet

Burrasca

Leiben bei Melk muss man nicht kennen. In der gehobenen nautischen Szene wird dieser auf einer Anhöhe über der Donau gelegene Ort aber möglicherweise bald ein Begriff sein, denn in Leiben befinden sich seit Oktober letzten Jahres der Firmensitz und die Werfthallen von Belassi. Belassi? Auch nicht sonderlich bekannt, was sich aber ebenfalls ändern könnte. Belassi fertigt nämlich das stärkste Personal Watercraft der Welt, in Leiben, genau, was zugegebenermaßen erstaunlich scheint. Erklärbar ist das durch die Vorgeschichte, die bis ins Jahr 2004 zurückreicht. Da baute die Firma Hydrospace den ersten Viertakter in einen sogenannten „Steher“ ein, ein Personal Watercraft, das in erster Linie für Rennen genutzt wird. In Folge heimste man mit diesem Gefährt diverse EM- und WM-Titel ein und wollte in einem nächsten Schritt in den Runabout-, sprich Breitensport- und Freizeitmarkt einsteigen. 2012 begann man mit der Suche nach einem starken Viertakt-Motor, 2015 wurde Belassi gegründet.

Offizieller Startschuss

Als Motiv fungierte die Vision, ein Premium Personal Watercraft zu kreieren, das Ergebnis nannte man Burrasca. Dieser soll „die Welt der Luxusyachten und Super-Sportwagen auf einzigartige Weise verbinden“, wie es CEO Christian Hintersteininger formuliert. Für den technologischen Background sorgen Experten aus dem Auto- und Motorsportbereich, wobei das Konzept auf Hypercars wie McLaren, Königsegg, Lamborghini oder Bugatti beruht. Ehrgeizig, muss man schon sagen.
Apropos Ehrgeiz: Die junge Manufaktur entwickelte sogar einen Motor. Das Basistriebwerk, ein Viertakter mit drei Zylindern und 320 PS, stammt von einem Motorrad, durchlief aber einem umfassenden Umbau. So besteht der Motorblock nicht aus Guss sondern aus Alu, der Motor wurde im eigenen Haus marinisiert und bekam einen Turbolader. Viel Zeit, nämlich drei Jahre, und viel Geld flossen in Forschung und Fertigung, derzeit wird in Leiben jedes Triebwerk von Hand zusammengebaut, womit ein Fachmann einen Tag lang beschäftigt ist.

Ein langwieriger Prozess war auch die Entwicklung der hydrodynamischen Konstruktion, sprich von Rumpf und Design. „Der Burrasca soll Ausdruck eines individuellen Lifestyle sein“, verlangte Hintersteininger, umgesetzt wurde diese Forderung in den folgenden eineinhalb Jahren von Chefdesigner Johannes Scherr und seinem internationalen Team, zu dem auch ein sehr bekanntes Münchner Designbüro zählt. Gemeinsam gelang es, Optik und Funktion perfekt zu verbinden. So wirkt der Burrasca von außen eher bullig, sitzt man hinter dem Lenker, fühlt man sich aber wie auf einem schlanken Motorrad, weil der Bereich zwischen den Knien sehr schmal ausgeführt ist. Ein genialer Schachzug, denn die engen Beinwinkel geben beim Fahren, speziell in radikalen Fahrsituationen, sehr guten Halt und über den Kniedruck lassen sich sämtliche Manöver besser beeinflussen bzw. beherrschen.

Ausschließlich Handarbeit

Das gesamte Chassis wird im Vakuum-Infusionsverfahren hergestellt, danach werden Teil-Karbon-Spanten und -Stringer, Auftriebskörper und Tank eingepasst. In der hauseigenen Lackiererei kann man jeden erdenklichen Farbwunsch erfüllen – Customizing ist in dieser Liga ein großes Thema. Serienmäßig orientiert man sich an der Austro-Kombi Rot-Weiß, aber im Grunde ist alles möglich, von der Airbrush-Lösung bis zur Echtgoldauflage.

Einen Teil aus Kunststoffspritzguss, wie es in Großserienwerften Standard ist, sucht man bei Belassi vergeblich, sämtliche Abdeckungen, Lenker, Armaturenbereich bis hin zu den Versteifungen im Motorraum sind aus Karbon gefertigt.
2017 lief das erste Vorserienmodell vom Stapel, siebzehn weitere hat man inzwischen weltweit verteilt und ausgiebig getestet. Daraus ergab sich eine lange Liste an Optimierungen, seit Dezember letzten Jahres läuft die Produktion der finalen Modelle. Heuer will man 200 Einheiten verkaufen, ob das gelingt, wird sich nach den Messeauftritten in Cannes, Monaco, Abu Dhabi, Mallorca, Peking und Dubai zeigen.

Spektakuläre Erlebnisse

Testrevier von Belassi ist ein Schotterteich nahe Leiben, der mit karibikblauem Wasser überrascht. Zahlreiche Bojen vom ortsansässigen Personal-Watercraft-Club sorgen für ideale Voraussetzungen, weniger ideal ist die Größe des Gewässers, das etwa 600 Meter lang und 250 Meter breit ist. Fegt man da mit einem 320 PS starken Geschoß und einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 120 km/h über das Wasser, kommt das Ufer schneller näher, als einem lieb ist …

Die Bedienung ist simpel und selbsterklärend: Mit der rechten Hand wird via Hebel Gas gegeben.

Den gesamten Fahrbericht lesen Sie in der Yachtrevue 6/21, am Kiosk ab 4. Juni!

Der komplette Bericht als PDF-Download:

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