Doku in Dialogen

Zehnte Auflage der Palagruža Cannonball, zehn Zwiegespräche. Die abenteuerliche Geschichte einer Foto-Safari

Doku in Dialogen

Die beiden Pioniere Ronnie Zeiller und Miša Strobl haben sich vor zehn Jahren in den Kopf gesetzt, ihrer Regatta den Namen Round Palagruža Cannonball zu geben. Cannonball ist ein Synonym für illegale Autorennen von New York nach Los Angeles. Und die Premiere dieses knapp 400 Seemeilen langen Mittelstreckenrennens von Biograd rund um den Vogel-Felsen Palagruža und wieder zurück war ja quasi auch illegal. Weder der Österreichische Segel-Verband noch die kroatischen Behörden wollten zunächst mitspielen, weshalb Zeiller – ein begnadeter Fotograf – das erste Rennen als Foto-Sternfahrt tarnte.

Dieser Outlaw-Status führte zu höchst kuriosen Funk-Dialogen:

A: „Startnummer 51 an Regattaleitung: Ist Startnummer 57 noch im Rennen?“
B: „Hier spricht das Foto-Safari-Flaggschiff: Ja, der Reiseleiter von Ausflugsboot 57 hat um 5:33 Uhr ein wunderbares Foto des Leuchtturms von Palagruža geknipst. Das Gleiche haben sieben beziehungsweise zwölf Minuten davor bereits die Fotokünstler 64 und 65 getan.“

Dank dieser überaus gefinkelten und gänzlich undurchschaubaren Geheimdienst-Methode flog der Schwindel nie auf. Der Autor dieser Zeilen durfte sich am Ende über das zweitbeste Foto freuen und ist heute noch stolz darauf. Segelverband und kroatische Behörden sitzen inzwischen mit dem Zeiller-Syndikat im selben Boot. Sinnbildlich, dafür aber ganz legal.

Der Cannonball-Spirit blieb erhalten und äußert sich zeitweise in beinharten, testosteron-angereicherten Dialogen. Diese könnten der Wenzel-Lüdecke-Synchronisation eines Road Movies von der Route 66 entnommen sein.

1. Menschenwürdige Verpflegung
A: „Das ist eine Regatta und keine Gourmet-Kreuzfahrt!“
B: „Würde ich auf so einen Drecksfraß stehen, hätt‘ ich einem alten Mutterl das Handtaschl g‘fladert und mich einsperren lassen.“

2. Kurs oder Geschwindigkeit
A: „Du weißt aber schon, dass noch nicht einmal die Profis beim America’s Cup gegen den Wind segeln können.“
B: „Ja, ja! Du bist der schnellste Rudergänger der Welt. Nur kommst du halt nie dort an, wo du hin wolltest.“

3. Spinnaker setzen. Oder eben nicht
A: „Wenn wir das unter Segeln verstehen, hätten wir lieber Ballettstunden nehmen sollen.“
B: „Besser feige Sau als toter Tiger.“

4. Stoffwechsel
A: „Wenn du das nächste Mal aufs Klo gehst: Kannst du bitte vorher die Bravo-Flagge setzen?“
B: „Wofür ist die?“
A: „Ich befördere gefährliche Güter. Sonst setzt womöglich noch einer einen Mayday-Ruf ab.“

5. An der Kante
A: „Sag einmal, woran erkennst du, dass deine Leute, die da vorn bei zwei Grad Celsius an der Kante schlafen, noch leben?“
B: „An der Zigarettenasche, die mir in regelmäßigen Abständen ins Aug‘ fliegt.“

6. Routenwahl
A: „Das nächste Mal müssen wir ausklarieren, bevor du das Ruder übernimmst. Wolltest eine Pizza, oder hast du eine Freundin in Italien?“ B: „Du red‘ was! Wenn du noch ein bisserl näher unter Land fährst, können wir gleich mit dem Autobus nach Biograd ins Ziel fahren.“

7. Wende
A: „Du. Bei der roten Hütte dort oben am Hügel wird’s knapp …“
B: „Wir wenden, wenn ich das Weiße in den Augen von den Ameisen seh‘!“

8. Halse
A: „Ahhhhhhh! Du Trottl! Warum machst a Patenthalse?“
B: „Das war Absicht. Apropos Trottl: Nimm deine Musikstöpseln aus den Ohrwaschln. Es warat wegen die Kommandos …“

9. Kurshalten
A: „Soll ich das Ruder übernehmen, oder die Delta-Flagge setzen?“
B: „Was bedeutet die Delta-Flagge?
A: „Halten Sie sich frei von mir, ich bin manövrierunfähig.“

10. Seezeichen
A: „Die Ideallinie führt haarscharf an dem Stangl mit den zwei Kugeln vorbei.“
B: „Hearst, des is a Einzelgefahrenzeichen und ka Kippstange!“

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