Könner aus Kärnten

Eine kleine Gemeinde im Wölfnitzbachtal beherbergt das Unternehmen Sinnex, das sich mit der Innenausstattung exklusiver Megayachten international einen Namen gemacht hat

Könner aus Kärnten

Wenn Ortsunkundige in Griffen um eine Auskunft bitten, dann wollen sie so gut wie immer zur Tropfsteinhöhle, einem der beliebtesten Ausflugsziele, die Kärnten zu bieten hat. Jeder Einheimische weiß, wo sie liegt, nämlich unterhalb des Burgberges, und kann den Weg weisen. Fragt der Fremde hingegen, wo es zu Sinnex geht, kann kaum jemand weiterhelfen. Die am Rand der Marktgemeinde angesiedelte Firma ist den Griffenern kein Begriff.

Dabei handelt es sich um ein weltweit operierendes Unternehmen, das sich höchst erfolgreich in einer lukrativen Nische positioniert hat: Sinnex ist Spezialist für die Innenausstattung privater Luxus-Megayachten. Gegründet wurde der Betrieb 1996 in Deutschland, 2004 erwarb einer der Gesellschafter, der in der Region seine Wurzeln hat, in Griffen eine ehemalige Schuhfabrik und eröffnete einen Standort in Österreich. Ursprünglich wurden hier hochwertige, individuelle Möbel für exklusive Residenzen gefertigt, die Verlagerung auf das Wasser ergab sich quasi von selbst – wer ein Landhaus in der Toskana oder ein Schlösschen in Languedoc besitzt, nennt nicht selten auch eine Yacht sein eigen – und stellte bald das wichtigste Standbein dar. 2009 verkauften die Gründer die Mehrheitsanteile an Investoren aus Deutschland, 2019 ging Sinnex an die französische Groupe Mériguet, deren Kerngeschäft luxuriöse Hochbauprojekte sowie das Restaurieren historischer Gebäude umfasst. Geblieben ist der nautische Schwerpunkt. Geht es um die Inneneinrichtung einer neu zu bauenden Yacht zwischen 90 und 140 Metern Länge oder den Refit eines in die Jahre gekommenen Modells in dieser Liga, gehört Sinnex zu jenem überschaubaren Kreis an Anbietern, die für diese Aufgabe überhaupt in Frage kommen; mehr als eine Handvoll sind es nicht. Bekommt das österreichische Unternehmen von der jeweiligen Werft den Zuschlag, fungiert es als Generalunternehmer, wobei es typischerweise um den Eigner- und Gästebereich der Yacht, eine Ausbaufläche von 2.000 Quadratmetern sowie einen Zeithorizont von 24 Monaten bis zur finalen Übergabe geht. Zu den bekanntesten Objekten, die von Sinnex ausgestattet wurden, gehört der bei Perini Navi gebaute Dreimaster Maltese Falcon, der mit seinem innovativen, drehbaren Dyna-Rigg Aufsehen erregte, oder die knapp 143 Meter lange A des russischen Oligarchen Andrei Melnitschenko, die als größte Segelyacht der Welt gelistet ist; bei der überwiegenden Mehrzahl der Aufträge handelt es sich aber um Motoryachten.

Ob Motor- oder Segelyacht, hier wie dort werden sämtliche Holzarbeiten im modernen Werk in Griffen erledigt. Für andere Materialien – etwa Glas, Metall oder Stein – hat man ein leistungsfähiges Netzwerk von bewährten Partnerbetrieben an der Hand. Rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei Sinnex in den Bereichen Produktion, Planung und Administration beschäftigt und erwirtschaften im Schnitt einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro. Derzeit können maximal sieben Aufträge gleichzeitig bewältigt werden – doch das wird sich hoffentlich bald ändern. Mitte April diesen Jahres wurde nämlich in Griffen mit der Erweiterung der bestehenden Produktionshalle begonnen, zudem erfolgte der Spatenstich für eine zusätzliche Halle und ein neues Bürogebäude. Das Projekt umfasst ein Investitionsvolumen von sechs Millionen Euro und soll im März 2022 abgeschlossen sein. Die Verdoppelung der Produktionsfläche und die daraus resultierende Kapazitätserweiterung erlaubt es, in naher Zukunft fünfzig zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Läuft alles nach Plan, kann Sinnex dann bis zu neun Aufträge parallel abwickeln.

Krisensicheres Geschäft

Und das macht Sinn, denn das Business boomt – trotz, vielleicht sogar wegen Corona. „Die Nachfrage ist größer denn je“, sagt Erika Verachter, die seit 2019 als kaufmännische Geschäftsführerin für den wirtschaftlichen Erfolg bei Sinnex verantwortlich ist, „die Anzahl der Megayacht-Projekte, die sich derzeit in der Pipeline befinden, ist vom Markt gar nicht zu bewältigen.“ Individuelle Mobilität sei während der Pandemie für die Reichen dieser Welt zu einem besonders hohen Gut geworden, glaubt die gebürtige Bayerin, und die lasse sich nirgendwo sonst so gut realisieren wie auf dem Wasser. Daher werde vermehrt in eine Yacht statt in eine (weitere) Immobilie investiert und die Werften könnten sich über volle Auftragsbücher für die nächsten drei Jahre freuen. Massiv von der Pandemie betroffen seien in der Branche hingegen all jene, die sich auf Kreuzfahrt-Schiffe spezialisiert haben, so Verachter.
Die Eigner, für die Sinnex die ausgefallensten Ideen umsetzt, kommen primär aus Russland, den Arabischen Emiraten sowie den USA und erwarten sowohl Diskretion – Geheimhaltungsvereinbarungen sind selbstverständlich – als auch höchste Qualität und maximalen Einsatz. „Geht nicht, gibt’s nicht“, stellt Erika Verachter klar.

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