Grüne Gigantin

Hinter den klassischen Linien der Spirit 111 Geist steckt modernste Technologie. Auch deshalb gilt die Holz-Slup als umweltfreundlichste Superyacht der Welt.

Grüne Gigantin

In Hunderten von Jahren hat sich der Bach Antelope Creek in Arizona durch den rotbraunen Navajo-Sandstein gearbeitet und den gleichnamigen Canyon geschaffen, der für seine fließenden, wellenartigen Formationen, Farbwechsel und Lichtspiele bekannt ist. Vergleichsweise kurz – nämlich trotz Corona-Verzögerungen nur drei Jahre – dauerte der Bau der Spirit 111. Und doch haben Canyon und Yacht mehr gemeinsam, als man vermuten könnte.
Das Naturschauspiel inspirierte einen Deutschen in seinen Mitdreißigern, der bereits eine Spirit 52 sein Eigen nannte und die auf Luxus-Holzyachten spezialisierte britische Werft Spirit Yachts mit dem Neubau einer größeren Segelyacht beauftragte. Das für das Innendesign zuständige Studio Rhoades Young entwarf ein S-förmig geschwungenes Hauptschott, das sich wie ein Canyon aus Holz vom Eignerbereich im Vorschiff bis zum Salon zieht. Auch sonst findet man auf der Spirit 111 Geist nur fließende Formen und Rundungen, aber nirgendwo Ecken oder Kanten. In Kombination mit einem ausgeklügelten Lichtsystem wurde so ein außergewöhnliches Ambiente geschaffen, das in der weiten Welt der Superyachten seinesgleichen sucht.

Schaf im Wolfspelz

Auch sonst ist die Spirit 111 alles andere als gewöhnlich. Sie ist die größte Holz-Slup, die seit 1930 und der Shamrock V in Großbritannien gebaut wurde. Maßgeblich beteiligt daran war übrigens die Tiroler Bootsbauerin Stefanie Bielowksi (siehe auch YR 10/2018).

Die klassischen, eleganten Linien mit langen Überhängen und niedrigem Freibord, die von Spirit-Yachts-Mitbegründer Sean McMillan stammen, erinnern zwar optisch an die legendäre J-Class, mit der um den 14. America's Cup gesegelt wurde, doch die traditionelle Anmutung täuscht. Unter Wasser verfügt die Yacht über ein sehr modernes, flaches Unterwasserschiff mit einer schmalen, tiefreichenden Kielflosse und Torpedobombe sowie einem schlanken Karbon-Spatenruder.

Die Geist ist außerdem die größte Segelyacht weltweit, die ausschließlich über einen Elektromotor verfügt, und gilt deshalb, aber auch aufgrund modernster Energiespartechnologien als umweltfreundlichste Superyacht der Welt. "Es war mir immer sehr wichtig, dass diese Yacht nicht dazu beiträgt, ihre natürliche Umgebung zu zerstören", betont der Eigner, der anonym bleiben will, in einem Interview mit dem britischen Magazin Boat International. Deshalb wurde auch von Baubeginn an versucht, den CO2-Fußabdruck so gering wie möglich zu halten.

Neben der Kraft des Windes dient ein 100 kW starker Elektromotor von Torqeedo als Antrieb. Die Energie für den Deep Blue 100i wird von vier Deep Blue Batterien mit einer Kapazität von 40 kWh bereitgestellt. Die von BMW entwickelten Energiespeicher erlauben bei einer Geschwindigkeit von acht Knoten eine Reichweite von 40 Seemeilen.
Unter Segeln können die Batterien über Rekuperation geladen werden, was bereits ab einer Fahrt durchs Wasser von 3,5 Knoten möglich ist. Damit ist – außer es herrscht komplette Flaute – auch eine Atlantiküberquerung denkbar, bei der man vollkommen auf den Einsatz fossiler Brennstoffe verzichtet. Aufzeichnungen während der Überstellungsfahrt zeigten, dass die drehende Schraubenwelle bei einer durchschnittlichen Fahrt von 11 bis 13 Knoten die Batterien mit 3 kW lädt.

Die Geist verfügt über insgesamt 450 Quadratmeter Segelfläche und einen Kohlefaser-Mast von Hall Spars mit vier Salingen. Die Segel stammen von OneSails und sind aus recycelbarem 4T Forte Material. Das Großsegel wird über eine mobile Fernsteuerung per Knopfdruck aus einem Rollbaum gesetzt. Sämtliche Einrichtungen sind so ausgelegt, dass die Yacht ohne professionelle Crew, nur vom Eignerpaar und Freunden gesegelt werden kann.

Sparefroh

Da der Eigner das Ankern in der Bucht dem Liegen im Hafen vorzieht, wurde großer Wert auf Energieeffizienz gelegt. Mit den vorhandenen Systemen ist es möglich, den Bordbetrieb ohne Einschränkungen bis zu vier Tage vor Anker aufrecht zu halten, ohne dass mit Landstrom oder den beiden 25-kW-Generatoren, die nur als Backup gedacht sind, nachgeladen werden muss.

Die zum Teil eigens für die Geist entwickelten Energiespartechnologien, die in allen Bereichen, von der Decksausrüstung bis zur Pantry, Anwendung fanden, zielen auf maximale Leistungsfähigkeit bei minimalem Energieverbrauch ab.

Die gesamte Story lesen Sie in der Yachtrevue 10/2021, am Kiosk ab 1. Oktober!

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