Goldener Boden

Vom rumänischen Gastarbeiter zum Hersteller exklusiver Elektromotoryachten ist es ein weiter Weg. Die Familie Marian hat ihn erfolgreich beschritten

Goldener Boden

Beim Yachting Festival in Cannes gab es heuer erstmals einen Bereich ausschließlich für Elektro-Motorboote – ein klares Zeichen dafür, dass der Trend zur E-Mobilität auch in dieser Sparte angekommen ist. Für jede Menge Aufmerksamkeit sorgten an der Cote d’Azur M 800 und Spyder, die Flaggschiffe von Marian Boote. Das kommt nicht von ungefähr, denn das österreichische Unternehmen ist ein ausgewiesener E-Boot-Spezialist und hat in diesem Segment soviel Erfahrung wie kaum eine andere Werft. Gründer Ion Marian war ein Pionier der Szene, der sich mit diesem Thema zu einem Zeitpunkt beschäftigte, als es nur für eine Randgruppe interessant und alles andere als hipp war.

Das hat sich mittlerweile dank gesteigertem Umweltbewusstsein sowie verbesserter Batterie- und Motorentechnologie grundlegend geändert und auch in der Werft weht durch den Einstieg von Sohn Alexander ein frischer Wind.

Blick zurück

Angefangen hat alles wenig glamourös. Ion Marian, der als junger Mann daheim in Rumänien bei seinem Vater das Tischlerhandwerk erlernt hatte, verdiente sich in Österreich zunächst als Hausmeister und Schiliftbetreiber seine Brötchen, später wechselte er in eine lokale Bootswerft in der Nähe von St. Wolfgang, wo er bald zum gefragten Restaurator aufstieg. Es kam, wie es kommen musste: Marian kaufte eine Garage, machte sich selbstständig und restaurierte fortan auf eigene Rechnung edle Holzboote von Riva, Boesch oder Chris Craft. Die ursprünglich geplante Rückkehr nach Rumänien wurde verworfen, als Sohn Alexander zur Welt kam. Das Ehepaar Marian beschloss, sich auf Dauer ein Leben in Österreich aufzubauen, und arbeitete mit Geduld, Konsequenz und Durchhaltevermögen am Erfolg des eigenen Unternehmens. Da Marian nach wie vor ausgezeichnete Kontakte nach Rumänien hatte, ließ er die Boote zum Teil dort renovieren, und begann zudem, Boote in Eigenregie zu fertigen. Dafür mietete er sich in einem alten Sägewerk in Weinbach bei St. Wolfgang ein, wo die in Rumänien laminierten Rümpfe ausgebaut wurden. Die Geschäfte liefen so gut, dass Marian das Grundstück kaufen konnte. 2012 errichtete er darauf eine Halle plus Ausstellungsraum, heuer wurde die Hallenfläche verdoppelt und das Bürogebäude erweitert.

Aufbauarbeit

Bei seinem ersten Auftritt auf der Boot Tulln im Jahr 2001 wurde Marian von so manchem Mitbewerber argwöhnisch beäugt. Erste Aufträge und viele Tipps erhielt er von Alexander Hörterer, einem Yachthändler vom Chiemsee, bis heute einer seiner wichtigsten Partner, dem er mittlerweile auch freundschaftlich verbunden ist.

Das erste komplett in Eigenregie hergestellte Boot war das nach wie vor stark nachgefragte Modell Delta 600. Großen Anteil am Erfolg des schicken Runaboats, das wahlweise mit 4,3 kW bis 8 kW starken Motoren bestückt werden kann, hat der Basispreis von 43.800 Euro. Capriole 700, das zweite Modell, stammt ursprünglich aus England. Marian kaufte die Form, modifizierte sie und machte das Kajütboot fit für die Elektromotorisierung. „Damit gelang der Durchbruch“, erzählt Alexander Marian, „die Capriole hat sich wie warme Semmeln verkauft.“

Nächster Streich war das stylische Laguna 760, ein im Runaboat-Stil gehaltenes Boot, dass 2007 vom Stapel lief.

Den gesamten Werftreport lesen Sie in der Yachtrevue 10/2021, am Kiosk ab 1. Oktober!

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