Chefsache

Früher baute Solaris in seiner auf Karbonyachten spezialisierten Werft in Forli Wallys aller Art. Nun entstand ebendort die Solaris 111 CeFaA, ein Maxi, der Solaris-Inhaber Marc Giorgetti gehört und in vielerlei Hinsicht neue Standards setzt

Chefsache

Die 1974 in Aquilea nahe Grado gegründete Werft hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Konstant geblieben sind der hohe Qualitätsanspruch in allen Bereichen sowie die kompromisslos durchgezogene Firmenphilosophie. Ob Serien- oder Customyacht, kaum jemand schafft die Gratwanderung zwischen Wohnkomfort, elegantem Styling, luxuriöser Ausstattung und exzellenten Segeleigenschaften so bravourös wie Solaris. Und das gilt auch für die neue Solaris 111, die als Flaggschiff nicht nur Technologie- und Imageträger ist, sondern diese Werte bis ins Detail verkörpert.

Maßgeschneidert

Eigner ist der aus Luxemburg stammende Unternehmer Marc Giorgetti. Er nannte die Yacht CeFaA, ein Konglomerat aus den Anfangsbuchstaben der Namen seiner drei Kinder, und selbstverständlich ist die S 111 nicht sein erstes Boot. Giorgetti, der als Kind mit dem Riva Junior seines Vaters am Lago Maggiore begann, erwarb 2002 Amels Super Maramu, drei Jahre später tauschte er diese gegen eine Amel 54 ein. Nach abermals drei Jahren kam er erstmals in Kontakt mit der Werft in Aquilea, fing sofort Feuer und orderte ein 72-Fuß-Modell. Ihm gefiel die Art, wie man bei Solaris mit ihm umging, aber auch der intensive Austausch mit Konstrukteur Doug Peterson: „Segler sind mit ihrem Boot leidenschaftlich verbunden“, ist er überzeugt, „sie legen großen Wert auf Kleinigkeiten und schätzen es sehr, wenn man ihre Fragen ernst nimmt und sie in den Entwicklungsprozess eingebunden werden. Ich habe damals all meine Erfahrungen mit der Familie, die ich an Bord unterschiedlicher Yachten gemacht habe, eingebracht.“ Der Werftchef setzte diesen Input nicht nur um, er fragte Giorgetti nach vier Monaten intensiver Zusammenarbeit, ob er nicht Drittel-Teilhaber im Unternehmen werden wolle. Dieser nahm das Angebot an, stieg bei Solaris ein und setzte damit den Startschuss für eine bemerkenswerte Entwicklung, an deren Höhepunkt nun die Solaris 111 steht.
Doch zurück zum Doug-Peterson-Design. Giorgetti überquerte damit den Atlantik und wechselte später auf eine von Javier Soto-Acebal gezeichnete Solaris 72. Den vergleichsweise radikalen Entwurf des argentinischen Konstrukteurs, dessen Stil bald zum Markenzeichen der Werft wurde, ersetzte er nach relativ kurzer Zeit durch ein identes, aber etwas leichteres Modell.

In Folge intensivierte Giorgetti sein Engagement in der Werft und avancierte schließlich zum Mehrheitseigentümer. Zwischendurch spielte er mit dem Gedanken, Wally zu kaufen: „Ich hätte gerne zwei hochklassige Marken im Portfolio gehabt“, erinnert er sich, „das wäre wie Porsche und Ferrari, also wirklich reizvoll gewesen.“ Obwohl Solaris in der auf Karbonyachten spezialisierten Werft Performance Boats in Forli bereits seit längerem für Wally gebaut hatte, etwa die 93 Fuß lange Nahita oder Barong D, eine Wally 110, kam dieser Deal nicht zustande.
Für Giorgetti kein Grund, Trübsal zu blasen, sondern mit der Solaris 111 die Schaffung seines eigenen Ferrari in Angriff zu nehmen. Wally übrigens wurde von Ferretti gekauft. Eine Wally y3k wird demnächst bei Solaris in Forli gebaut, ein weiterer Auftrag für eine 100’ steht kurz vor dem Abschluss.

Von langer Hand

Ein solches Projekt braucht nicht nur viel Vorlaufzeit, es muss auch die Chemie zwischen Auftraggeber, Konstrukteur und Designer passen. Giorgetti reiste daher nach Buenos Aires, besuchte Javier Soto-Acebal in seinem Büro, unterhielt sich tagelang über relevante Aspekte der Yachtdesigns und ging mit ihm auf dessen privaten Daysailer segeln. Gemeinsam entwickelte man einen Designbrief, in dem Gewichtsreduktion und Segelleistung ganz oben standen, aber auch jene Attribute nicht vergessen wurden, die eine Yacht lebenswert und komfortabel machen. Da die Solaris 111 häufig im Mittelmeer unterwegs sein würde, sollte sie über gute Leichtwindeigenschaften verfügen, darüber hinaus eine hohe Formstabilität haben und nicht mehr als 15 Grad krängen. Mit Hilfe umfangreicher Computer-Simulationen entwickelte Soto-Acebal eine auf Geschwindigkeit ausgelegte Rumpfform mit leicht negativem Bugsteven. Mast und Kiel wurden zwecks Optimierung der Balance soweit achtern wie möglich positioniert, der Gewichtsschwerpunkt so tief wie möglich gelegt. Und obwohl Giorgetti kein Hardcore-Regattasegler ist, war ihm die gewichtsbewusste Bauweise ein besonders Anliegen. Daher wurde die CeFeA aus Pre-preg-Karbon gefertigt und im Ofen bei 90 Grad gebacken. Sämtliche Beschläge bestehen aus Titan, der Mast aus High-modulus-Karbon. Unterm Strich bringt die 111er 75 Tonnen auf die Waage und ist damit um 12 Tonnen leichter als beispielsweise die Baltic 112 Liara. Besonders stolz ist Giorgetti darauf, dass die CeFeA um 20 Prozent mehr Volumen hat als die Wally 110, trotzdem elegant aussieht und dank ein paar Extra-Zentimeter in der Breite und einem Meter in der Länge mit einer Kajüte mehr aufwarten kann.

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