Virtual Fever

Rar waren die Anfälle von Saturday Night Fever in jungen Jahren, heute sind sie vollständig verschwunden. Wovor ich noch immer nicht gefeit bin, ist die Begeisterung für Segel-Großereignisse. Derzeit bin ich also America’s-Cup-Aficionado; zwar kein Groupie, das in Valencias Hafen, auf den Zuschauerbooten oder vor den Mannschaftshotels abhängt, aber virtuell live dabei.
Die offizielle Webpage des Cups (www.americascup.com) bietet eine gute Basis. Vom Layout zwar nicht mein Fall, da viel zu überladen, liefert sie neben Hintergrundinformationen zu den Teams, der Geschichte des Cups oder den Regeln auch den jeweiligen aktuellen Stand der Dinge und schöne Fotos. Das ist gegenüber dem letzten Cup ein Fortschritt, aber noch nicht wirklich aufregend. Tatsächlich „fiebersteigernd“ finde ich AmericasCupAnywhere (www.americascupanywhere.com). Um knapp 30 Euro erhält man Zugang zu einer 3D-animierten Darstellung des Rennverlaufs, ähnlich einem Computerspiel. Auf Basis von GPS-Daten der Yachten ist es möglich, den Rennverlauf live oder durch Aufruf aus dem Archiv relativ exakt zu verfolgen. Startmanöver, Kreuz- und Vorwindkurse können aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Zoomoptionen beobachtet werden. Frei zuschaltbare Anzeigen wie Bootsgeschwindigkeit, VMG oder Windstärke bieten zusätzliche Informationen. Der Aufruf von Rennen aus dem Archiv erlaubt unterschiedliche Abspulgeschwindigkeiten und damit das bequeme Überspringen wenig spannender Sequenzen.
Trotz kleiner Schwachpunkte – so macht etwa der fehlende Kompasskurs der Boote taktische Entscheidungen etwas schwer nachvollziehbar, da ein „virtuelles Kielwasser“ relativ zu einem über das Wasser gelegtes Gitternetz die einzige Kursinformation ist – bin ich entzückt über dieses Tool. Retrospektiv lassen sich Rennstrategie, Wendeduelle, Vorwindtaktiken etc. recht gut analysieren. Live ist es durchaus spannend, die Wettfahrten in einem kleinen Fenster am Bildschirm nebenher laufen zu lassen. Das konnte ich letztens während einer Konferenz in Brüssel genießen. In weiser Voraussicht und durchaus schamhaft im letzten Eck hinten sitzend, konnte ich dank Laptop und Wireless LAN eine der ersten Überraschungen des Cups, den Sieg der italienischen Mascalzone Latino über Team New Zealand live verfolgen. Geschickt den Gegner auf der benachteiligten linken Seite des Kurses haltend, schafften es die Italiener lange vorne zu bleiben. Auf dem letzten Vorwindgang dann zwei riskante taktische Manöver von ITA 90, welche die Neuseeländer bis auf ein paar Meter heranbrachten, letztlich aber den Sieg von Mascalzone Latino nicht gefährdeten.
Nicht sehr professionell, ich weiß schon (von mir, nicht von ITA 90, nämlich während der Konferenz AC schauen), aber im Fieber weiß man halt nicht ganz genau, was man tut. Sagen Sie also nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt …

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Vorweihnachtliche Kälte. Die stille Zeit, oft gar nicht mehr so still, aber am heutigen Abend doch: Die Tasse Tee dampft, Kerzenlicht, ein Buch am elektronischen Lesegerät. Auf einmal ein gedämpftes Geräusch von draußen: „F, f, f.“ Neugierig öffne ich die Terrassentür. Da, etwas lauter: „Fai, fo, fi.“ Stirnrunzelnd will ich wieder zurück, als mit einem pfeifenden Woosh das Weihnachtsengerl vor meinen Füßen landet. In seltsamer Aufmachung allerdings. Auf den Flügeln eine Reihe von Tattoos mit in blauen Wellen geschriebenen Namen wie Paul, Willy, Valentin, Serge, Jochen, Esko, Russel, José, Mateusz, Ian, Ben und Giles und, mit ☹ versehen, Kim.









 

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Rund um meinen 60er mit der besten Ehefrau von allen eine Woche in Israel. Am letzten Tag Abstecher an die Mittelmeerküste, zwei Stunden Strand bei Naharija, etwas nördlich von Akko. Meine déformation professionnelle schlägt durch, daher Blick auf Windrichtung und -stärke sowie Segelaktivitäten: 6–7 Knoten aus rund 300 Grad, zwei Gruppen von Optimisten sowie zwei Laser. Das seglerische Niveau, gemessen an Manövern und Starts, nicht besonders hoch, aber durchaus akzeptabel. Mein Blick schweift nach Norden zur Hügelkette, die zum Meer hin steil zu den weißen Kalkfelsen von Rosch haNikra abfällt und gleichzeitig die Grenze zwischen Israel und dem Libanon an diesem nordwestlichsten Zipfel des Landes bildet. Idyllisch.









 

In Reichweite

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Ende April in Portsmouth. Während in Österreich der Sommer Urständ feiert, hat es im Herzen der Royal Navy standesgemäß unter 10 Grad. Besuch des Historic Dockyard. Ganz oben auf der britischen Bedeutungsskala vermutlich die HMS Victory, die unter Vize-Admiral Lord Nelson in der Schlacht von Trafalgar gegen die Spanier und Franzosen ikonenhafte Bedeutung erlangte. Ebenfalls beeindruckend: Die HMS Warrior 1860, das erste hochseetaugliche Panzerschiff der Navy mit eisernem Rumpf, die HMS M33, ein küstennah operierendes Kanonenboot aus dem Ersten Weltkrieg mit nur knapp 2 m Tiefgang, das einen Ruf als „lucky ship“ hatte, da sie kein einziges Besatzungsmitglied im Laufe ihres Dienstes verlor, oder die Ausstellung über die 36 Stunden dauernde Seeschlacht vor Jütland 1916 (Skagerrakschlacht) zwischen den von Vize-Admiral Scheer auf deutscher und Admiral Jellicoe auf britischer Seite befehligten Flottenverbänden.









 

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Biedere Vereinsmeier?