Schwapp!

Wissenschafter wollen das Geheimnis der Monsterwellen lüften

Sturm und Wellen werden immer wieder selbst großen Schiffen zum Verhängnis: Etwa zehn mehr als 200 Meter lange Schiffe gehen pro Jahr verloren. Experten glauben, dass in vielen Fällen Monsterwellen für den Untergang verantwortlich sind.
Üblicherweise versteht man darunter einzelne Wellen, deren Höhe weit über den anderen Wellen liegt. Typisch ist, dass sie urplötzlich wie aus dem Nichts auftauchen können. So ganz eindeutig ist der Begriff der Monsterwelle oder Freak Wave indes nicht. Laut der – wie üblich recht komplizierten – wissenschaftlichen Definition muss die Wellenhöhe mehr als doppelt so hoch sein wie die so genannte signifikante Wellenhöhe. Diese wiederum ergibt sich, wenn man den Mittelwert der 33 höchsten von 100 aufeinander folgenden Wellen bildet. Und dann gibt es noch unterschiedliche Riesenwellen-Typen: Kaventsmänner sind besonders riesige Einzelwellen, eine Weiße Wand eine steile bis fast senkrechte gigantische Welle, die mitunter mehrere Kilometer breit sein kann und von deren Kamm Gischt sprüht. Und dann gibt es noch die berüchtigten Drei Schwestern, eine schnelle Abfolge von mindestens zwei besonders große Wellen, wobei diese zwar deutlich höher sind als die übrigen Wellen, zumeist wohl aber nicht die Höhe einer Monsterwelle erreichen. Das betroffene Schiff wird von der ersten Welle angehoben oder durchbricht sie mit dem Bug, um dann in das Wellental zu sinken. Die zweite Welle und eventuell weitere Wellen folgen mit so kurzem Abstand, dass sie das Schiff überrollen und dann für Schäden sorgen können.

In dem groß angelegten und von der EU geförderten Projekt "Max Wave" wollen Meeresforscher nun dem Geheimnis der Riesenwellen auf die Spur kommen. Allen Forschungsarbeiten zum Trotz weiß man aber bis heute nicht hundertprozentig genau, wie diese Wellen entstehen. Eine relativ einfache Theorie geht davon aus, dass sich bei Sturm unterschiedlich schnelle Wellen überlagern. Dadurch kommen an einem bestimmten Punkt die Wellenberge zweier oder gar mehrerer Wellen übereinander zu liegen, wobei sich, vereinfacht ausgedrückt, die Wellenhöhen addieren. Etwas komplexer ist eine andere Theorie, der zufolge Wellen ihre Energie umlagern können. Lange Wellen entziehen den kurzen im Moment des Überlagerns Energie, und zwar in Form von Wellenhöhe oder Wellengeschwindigkeit oder beidem. Dadurch wird die lange Welle höher und kann zu einer Monsterwelle heranwachsen. Die kurze Welle indes verliert bei diesem Tausch an Energie und wird dadurch flacher. Diese auf dem offenen Meer entstehenden Monsterwellen können zwar auf steile, aber nicht auf flache Küsten auflaufen, treten also nur in tieferem Wasser auf. Im flachen Wasser sei die Geschwindigkeit der Wellen abhängig von der Wassertiefe, deshalb könne es hier nicht zu Überlagerungen kommen.

Lange Zeit wurden Berichte über Monsterwellen, die wie aus heiterem Himmel über Schiffe hereinbrechen, als Seemannsgarn abgetan. Dazu trägt sicherlich bei, dass sie völlig zufällig auf hoher See und insgesamt vergleichsweise selten auftreten. Mittlerweile haben aber Satellitenmessungen, mit deren Hilfe sich vom Weltall aus per Radar die Höhe einzelner Wellen erfassen lassen, ihre Existenz eindeutig bestätigt. Auch von Bohrplattformen gibt es beeindruckende Messungen. Berühmt geworden ist die 1995 von der Ölplattform Draupner in der Nordsee vor Norwegen dokumentierte knapp 26 Meter hohe Monsterwelle bei einer signifikanten Wellenhöhe von "nur" zwölf Metern. Im selben Jahr wurde auch die berühmte Queen Elisabeth 2 im Atlantik nachgewiesenermaßen von einer 29 Meter hohen Monsterwelle getroffen.

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