Zugzwang

Österreichs Segler bleiben zu Beginn der Olympischen Wettfahrten etwas hinter den Erwartungen

Den besten Start in den zweiten Arbeitstag der 49er Klasse, seit Sydney 2000 in der olympische Segelfamilie integriert, verbuchten die Brüder Sibello. Pietro und Gianfranco feierten bei 5-10 Knoten Wind (zwei bis drei Beaufort) mit einem Start-Ziel Sieg ihren in Summe zweiten Wettfahrtserfolg. Auf den Plätzen folgten die favorisierten Boote aus Spanien und Australien. Während sich Österreichs Asse, Nico Delle Karth und Niko Resch mit Rang acht schadlos hielten, griffen die führenden Briten und Weltmeister 2007, Morrison & Rhodes, mit Rang 14 erstmals tiefer in den Punktetopf. Der Ukraine und den USA, ebenfalls heiße Anwärter auf eine Medaille, erging es mit den Rängen 15 bzw. 16 nicht besser.

Der Auftakt in die zweite, insgesamt fünfte 49er-Wettfahrt brachte mit dem Frühstart der Olympiasieger und Topfavoriten Iker Martinez und Xabier Fernandez womöglich eine kleine Vorentscheidung. Die Spanier haben bei einer Streichmöglichkeit bereits zwei Patzer in ihrer Serie und sind nach zwei Segeltagen angezählt. Während die australischen Weltmeister Nathan Outteridge und Ben Austin mit ihrem zweiten Tagessieg am meisten Kapital aus der Disqualifikation ihrer vermeintlich stärksten Gegner schlagen konnten, mussten sich Österreichs Skiffsegler mit Rang 14 begnügen. Anfangs neunte, unterlief dem heimischen Duo beim Setzen des Gennakers ein technischer Fehler, der Rückstand auf die Top ten war nicht mehr aufzuholen. In Durchgang drei zeigten sich abermals die Australier von ihrer besten Seite, mit ihrem dritten Streich übernahm das Duo aus Down Under auch die Führung im Zwischenklassement. Delle Karth & Resch schlossen den Tag nach neuerlichen Anlaufschwierigkeiten mit einem siebenten Rang ab und liegen nach sechs von 16 Wettfahrten und unter Berücksichtigung der Streichmöglichkeit auf Platz acht. Die Teams aus Australien, Dänemark und Italien haben sich gegenüber dem Rest der Welt einen kleinen Punktevorsprung ersegelt, Österreichs Rückstand auf eine Medaille beträgt 20 Zähler.
„Während der ersten Wettfahrt hat der Druck zwischenzeitlich um 5 Knoten abgenommen, da hatten wir lange Zeit Speedprobleme und auch in Durchgang drei haben wir uns mit einem Frühstart vorzeitig aus dem Rennen genommen.
Wir sind zurückgesegelt um uns zu entlasten und haben uns anschließend von Platz 19 auf Rang sieben nach vorne gearbeitet, in Summe wäre heute viel mehr drinnen gewesen“, bilanziert Delle Karth, der in Anspielung auf den Absturz der bis dato führenden Briten nach wie vor alles für möglich hält. „Wir müssen an uns glauben und unsere Möglichkeiten einfach besser nützen. Dass wir mithalten können haben wir gesehen.“ Morgen bekommen die 49er Segler eine Verschnaufpause, die Serie wird am 13. August mit drei weiteren Wettfahrten fortgesetzt.

49er: Zwischenstand nach 6 von 16 Wettfahrten/ein Streicher/19 Mannschaften:
1. Nathan Outteridge/Ben Austin AUS 13 (20), 1, 7, 3, 1, 1)
2. Jonas Warrer/Martin Kirketerp Ibsen DEN 15 (2, 4, (10), 4, 2, 3)
3. Pietro Sibello/Gianfranco Sibello ITA 20 (3, 9, 1, 1, 6, (9)
4. Jan-Peter Peckolt/Hannes Peckolt GER 28 (15), 6, 11, 6, 3, 2)
5. Iker Martinez/Xabier Fernadez ESP 35 (1, 10, 17, 2, (20), 6)
6. Emanuel Dyen/Yann Rocherieux FRA 36 (7, 8, 4, 5, 12, (13)
7. Andre Fonseca/Rodrigo Duarte BRA 36 (10, 5, 8, 9, (11), 4)
8. Nico Delle Karth/Niko Resch AUT 40 (9, 2, (14), 8, 14, 7)
9. Stephen Morrison/Ben Rhodes GBR 41 (3, 4, 5, 14, 15, (15)
10. Jorge Lima/Francisco Andrade POR 43 (12, 7, 9, 11, 4, (20)

Sylvia Vogl und Carolina Flatscher haben sich ihren olympischen Auftakt wohl anders vorgestellt. In der ersten Wettfahrt der 470er Damen-Konkurrenz solide neunte, folgte in Durchgang zwei mit Rang 17 ein kräftiger Rückschlag. Anfangs siebente, wurden die Österreicherinnen beim erstmaligen Passieren des Leegates aufgrund einer Kollision auf Rang 19 durchgereicht. „Wir mussten den Amerikanerinnen Raum geben, was aber aufgrund der in Lee segelnden Boote aus Tschechien und Schweden nicht möglich war“, berichtet Vogl, die sich gegenüber der Jury verteidigen muss, aber auch anklagt. „Der US-Protest gegen uns ist eher zweifelhaft, unser Einspruch gegenüber Tschechien und Schweden ist dagegen gut belegbar.“ Unabhängig der Protestverhandlung zeigt sich Vogl gefasst. „Unsere Starts sind sehr gut, die Bootsgeschwindigkeit ist ebenfalls viel versprechend. Der Blick auf die Ergebnisliste ist nicht erfreulich, abgerechnet wird aber erst am Schluss.“
Coach Alfred Pelinka teilt den Optimismus seiner Schützlinge. „Sie können sich nicht in Luft auflösen, ohne Kollision wären sie ein zweites mal unter die Top ten gesegelt, daran wollen wir uns morgen orientieren.“
An der Spitze haben die Favoriten vorläufig Stellung bezogen. Die dreifachen Weltmeisterinnen Marcelien De Koning & Lobke Berkhout führen punktegleich vor den Australierinnen, Natalia Via-Dufresne und Laia Tutzo (ESP), Olympia-Zweite 2004 folgen auf Rang drei. Die Damen setzen morgen ihre Serie mit zwei weiteren Wettfahrten fort.

470er Damen: inoffizieller Zwischenstand nach 2 Wettfahrten/19 Teams
1. Marcelien De Koning/Lobke Berkhout NED 4 (3, 1)
2. Elise Rechichi/Tessa Parkinson AUS 4 (2, 2)
3. Natalia Via-Dufresne/Laia Tutzo ESP 9 (4, 5)
4. Lenka Smidova/Lenka Mrzilkova CZE 10 (6, 4)
5. Ingrid Petitjean/Gwendolyn Lemaitre FRA 12 (1, 11)
6. Vesna Dekleva/Klara Maucec SLO 13 (10, 3)
7. Stefanie Rothweiler/Vievien Kussatz GER 13 (7, 6)
8. Yimei Wen/Chunyan Yu CHI 15 (5, 10)
9. Christina Bassadone/Saskia Clark GBR 21 (13, 8 )
10. Nike Kornecki/Vered Buskila ISR 21 (8, 13)
14. Sylvia Vogl/Carolina Flatscher AUT 26 (9, 17)

Für Matthias Schmid (27) und Florian Reichstädter (28) verlief der Auftakt der 470er-Konkurrenz ebenfalls nicht nach Wunsch. Lange Zeit im Mittelfeld, wurde der finale Vorwärtsdrang der beiden Wiener, die vor Qingdao ihr Olympisches Debüt zelebrieren, mit dem Rückfall auf Rang 24 bestraft. Auch in Durchgang zwei konnten die Österreicher zu Beginn mit der Spitze mithalten, wurden aber neuerlich durchgereicht und mussten sich mit Platz 20 zufrieden geben. Gesamt auf Rang 20 spricht das Duo von schlechten Annäherungen und Speedproblemen auf dem Vorwindkurs. „Wir waren in beiden Wettfahrten dabei, haben aber jeweils bei der Luvtonne unsere Chancen begraben. Ein Meter entscheidet über 20 Plätze, wir hatten keinen Weg und sind auch taktisch zu fehlerhaft unterwegs gewesen. Morgen ist ein neuer Tag, den heutigen werden wir gründlich analysieren und dann schnell abhacken.“ In Führung liegt das von Nicolas Charbonnier und Oliver Bausset besetzte französische Boot, morgen werden die Herren neuerlich für zwei Wettfahrten auf das Wasser geschickt. Pelinka, der auch den Herren betreuertechnisch zur Seite steht, ist von einer Steigerung überzeugt. „Wenn sie einsehen, dass alle nur mit Wasser kochen und ihren Respekt ablegen, werden sie sich auf jeden Fall besser in Szene setzen.“

470er Herren: Zwischenstand nach 2 Wettfahrten/29 Mannschaften
1. Nicolas Charbonnier/Oliver Bausset FRA 9 (6, 3)
2. Barreiros Onan/Aaron Sarmiento ESP 10 (8, 2)
3. Alvaro Marinho/Miguel Nunes POR 10 (2, 8 )
4. Nathan Wilmot/Malcolm Page AUS 11 (4, 7)
5. Karlo Hmeljak/Mitja Nevecny SLO 14 (3, 11)
6. Gabrio Zandona/Andrea Trani ITA 14 (10, 4)
7. Carl Evans/Peter Burling NZL 17 (7, 10)
8. Tetsuya Matsunaga/Taro Ueno JPN 22 (1, 21)
9. Gerald Owens/Philip Lawton IRL 23 (22, 1)
10. Nick Rogers/Joe Glanfield GBR 24 (19, 5)
24. Matthias Schmid/Florian Reichstädter AUT 44 (24, 20)

Morgen steigt Andreas Geritzer mit zwei Wettfahrten in die Olympische Regatta ein, für den Lasersegler ist es nach Sydney (Platz 5) und Athen (Silber) der dritte Olympiaeinsatz.

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