Cruisen wie ein Racer

In Kiel wird ein innovativer Finot-Conq 53-Füßer gebaut

Schaut aus wie ein Racer, ist aber für komfortable Fahrt gedacht

Schaut aus wie ein Racer, ist aber für komfortable Fahrt gedacht

Wer die Einhandsegler bei der Vendée Globe nonstop um den Globus jagen sieht, denkt als Letztes daran, dass das bequem und komfortabel sein könnte. Doch die Kombination von schnellstmöglichem Regattadesign mit den Ansprüchen eines Fahrtenseglers ist en vogue. Knierim Yachtbau aus der Arbeitsgruppe DEUTSCHE YACHTEN legt eine FC3 53 nach den Zeichnungen der erfolgreichen IMOCA Open 60-Konstrukteure Finot-Conq auf Kiel. Das 17,33 Meter lange Boot mutet wie ein Racer an, aber für ausgedehnte Zwei-Personen-Törns und Regattareisen ganz ohne Tütensuppen.

„Der Kunde wollte eine schnelle Fahrtenyacht, komfortabel und sicher sowie zu zweit leicht zu handhaben. Und sie sollte innen wie außen sehr stylisch werden“, fasst Designer Pascal Conq aus Frankreich die Wünsche des deutschen Eigners zusammen. Nicht zufällig steht die Schnelligkeit bei der Aufzählung an erster Stelle. „Deshalb wird die Yacht in High-end-Technik mit Kohlefaser Pre-Preg-Gelegen und Nomex-Wabenkern für Deck und Strukturen sowie einem Corecell-Schaumkern beim Rumpf gebaut“, erklärt Knierim-Geschäftsführer Steffen Müller. So kommt der superleichte 53-Füßer auf ein Gewicht von nur 10,5 Tonnen.

Bereits beim Formbau hat die Werft keine Kompromisse gemacht. So wurde die 5,26 Meter breite Karbon-Negativ-Sandwichform, die seit Weihnachten fertig ist, für den Kohlefaserrumpf mit einer der beiden großen Fünf-Achs-Maschinen der Knierim Tooling direkt gefräst – millimetergenau. Wenn die Rumpfschale im Frühjahr abgenommen wird, hoffen Designer und Bootsbauer auf Nachahmer, die von dem Konzept überzeugt sind und ebenfalls eine FC3 53 in Auftrag geben. Denn die Nachfrage nach richtig schnellen Fahrtenyachten sei ungebrochen groß, so Müller und Conq.

Speed steht bei der FC3 53 mit einer Segelfläche von 170 Quadratmetern am Wind und der doppelt so großen vor dem Wind absolut im Vordergrund. Der Mast reicht 23,30 Meter über die Wasseroberfläche und ist weit hinten positioniert; der lange Großbaum wird wie beim IMOCA Open 60 über einen Traveller am Heck geschotet und die Schot zu einer elektrischen Zentralwinsch nach rechts außerhalb des Cockpits geführt. Das im Topp nach hinten ausgestellte Großsegel und ein fester Bugsprit für Gennaker und Code Zero dienen einem großen Segelplan.

Um diesen auch zu Glitschen zu nutzen, die sonst reinrassigen Racern vorbehalten bleiben, können Wasserballasttanks mit jeweils 1000 Litern gefüllt werden. Und der Hubkiel reicht von hafentauglichen 1,60 Meter bis zu enormen 3,75 Meter Tiefgang. Eine Vielzahl von Versteifungen einschließlich dreier Schotten vor dem Lebensraum unter Deck sorgt für die notwendige Stabilität.

Apropos Hubkiel: Die Kielbox wurden von Innendesigner Pierre Forgia clever genutzt, um den Platz im breiten Salon zu unterbrechen, indem sie auch als zentrale Sitzbank für den Salontisch fungiert. Das gibt der Crew unter Deck Sicherheit und Standfestigkeit, besonders wenn die FC3 53 Lage schiebt. Insgesamt lädt die Anordnung unter Deck geradezu zu ausgedehnten Langfahrten ein. Es gibt reichlich Stauraum, darunter einen gigantischen Segelschrank.

Zwei Kühlschränke und ein 750-Liter-Frischwassertank, der theoretisch unterwegs in fünf Stunden mit eigener Aufbereitungsanlage selbst gefüllt werden kann, sprechen für sich. 700 Liter Diesel sorgen für eine angemessene Flautenreichweite. Die Hafenmanöver mit zweiköpfiger Crew unterstützen Bug- und Heckstrahlruder. Zahlreiche weitere Features runden den anspruchsvollen Auftrag auf höchstem Niveau ab. Der Stapellauf ist spätestens im Frühjahr 2016 geplant.

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