Porträt Carl Kiekhaefer

Leben und Wirken des Gründers von Mercury Marine

Eine bescheidene Kammer, Teil eines Bauernhofes im Osten von Wisconsin, der von einer deutschstämmigen Familie betrieben wurde. Hier erblickte Carl Kiekhaefer am 4. Juni 1906 das Licht der Welt, so wie vor ihm schon sein Vater und Großvater. Dass der Erstgeborene, dem im Lauf der Jahre sechs Schwestern folgen sollten, die Farm übernehmen würde, betrachteten die hart arbeitenden Kiekhaefers als gottgegeben und demensprechend selbstverständlich.
Doch sie sollten sich irren. Carl, der sich in der Schar seiner Geschwister zu einem seltsam distanzierten Einzelgänger entwickelte, hatte ein ausgeprägtes Interesse für Technik und sah sich nicht als Farmer, sondern als Ingenieur. Streit war vorprogrammiert und so verließ er im Sommer 1925 nach einer heftigen Auseinandersetzung das elterliche Anwesen und zog nach Milwaukee.
Carl Kiekhaefer hielt sich mit diversen Jobs über Wasser, wurde aufgrund seiner dreisten, aufsässigen Art immer wieder gefeuert und landete schließlich 1928 bei einer Firma, die magnetische Teile für Kupplungen und Bremsen produzierte. Dort blieb er zehn Jahre lang, stieg zum Chefingenieur auf und reichte seine ersten Patente ein; am Ende seines Lebens sollten es mehr als 200 sein. Da die Karrieremöglichkeiten in diesem Unternehmen beschränkt waren, wagte Kiekhaefer den Schritt in die Selbständigkeit. Er kaufte in Cedarburg ein knapp vor dem Bankrott stehendes Unternehmen mit dem Plan, hier magnetische Separatoren für die Landwirtschaft herzustellen. Zum Bestand der Firma zählten unter anderem 300 Außenbord-Motoren, die aufgrund eines technischen Defekts von einem großen Versandhändler zurückgeschickt worden waren. Kiekhaefer war nicht willens, dieses Kapital brach liegen zu lassen. Gemeinsam mit einem kleinen Team reparierte er die Motoren, beseitigte bei dieser Gelegenheit einige andere Schwachstellen und lieferte sie schließlich erneut aus. Der Händler zeigte sich mit der Ware mehr als zufrieden und gab eine weitere Bestellung auf, wenig später wurde Kiekhaefer von einer anderen Firma mit der Konstruktion eines Zweizylinder-Motors mit modifizierter Zündfolge beauftragt. Der Laden brummte und Kiekhaefer wusste die Zeichen der Zeit zu deuten. Offensichtlich konnte man mit Bootsmotoren gute Geschäfte machen. Pfeif auf die Separatoren – man schrieb das Jahr 1939 und die Kiekhaefer Marine Corporation war geboren.

Gottheit als Vorbild
Außenborder waren in jener Zeit nichts Ungewöhnliches, doch sie galten als ziemlich fehleranfällig. Als Grünschnabel in der Branche entwickelte Carl Kiekhaefer eine Reihe von technischen Verbesserungen.

Den gesamten Artikel lesen Sie in YR 2/2015, ab 6. Februar am Kiosk!

Weitere Artikel aus diesem Ressort

Ressort Achteraus

Fragen über Fragen

Mai 2022: Die persönliche Monatsbilanz von Verena Diethelm

Ressort Abdrift

Stört dich meine Fußfessel?

Wissensdurst. Das beliebteste Seezeichen auf den sieben Weltmeeren ist ganz eindeutig das Fragezeichen.

Ressort News

„Bei mir sollen die Fäden zusammenlaufen.“

Dieter Schneider ist der neue Präsident des Österreichischen Segel-Verbands. Mit Judith Duller-Mayrhofer ...

Ressort Motorboottests

Leopard 46PC

Warum der neue Leopard 46 PC von Robertson & Caine auch unter anderen Namen erhältlich ist und wie es ...

Ressort News

Bereit für den Anfang

Wer an einer Regatta teilnehmen will, muss korrekt über die Startlinie gehen. Judith Duller-Mayrhofer hat ...

Ressort News

Auf einer Wellenlänge

Wenn sich zur Liebe eine gemeinsame Leidenschaft gesellt, stärkt das die Bindung. Judith Duller-Mayrhofer ...