Olympia 2016

Der österreichische Segelverband stellt die Weichen für die Spiele in Rio

Konzepte, Strukturen, Visionen ¿ Herbert Houf, Präsident des OeSV, hat die Spiele 2016 in Rio bereits im Visier

Weymouth ist analysiert und abgehakt, jetzt sind Rio und die Zeit danach an der Reihe. Im Segelverband wird mit Hochdruck an der Struktur für die kommende Olympia-Kampagne gearbeitet. Die Spiele in Brasilien haben Priorität, der Planungshorizont wurde aber bis 2024 ausgedehnt. Es gilt die Nachwuchsarbeit weiter zu optimieren, den Behindertensport verstärkt zu integrieren und eine verbesserte wirtschaftliche Basis zu schaffen. Die dafür notwendigen politischen Weichen wurden bereits im vergangenen Juni gestellt. Mag. Herbert Houf fungiert als neuer Präsident, sein Team besteht fast ausschließlich aus ehemaligen und aktuellen Spitzenseglern. Sven Reiger, neuer Referent für den Behindertensport, war Teilnehmer der Paralympics 2012, Wolfgang Mayrhofer, Olympia-Zweiter von 1980, ist der neue Verantwortliche für den Spitzensport. Sylvia Vogl kümmert sich um internationale Verbands-Angelegenheiten, Sportdirektor Georg Fundak wurde bestätigt und bestreitet damit seine neunte Olympia-Kampagne. Unter seiner Leitung will man vier bis fünf Boote nach Rio bringen und neuerlich nach einer Medaille greifen. Was heuer im August knapp verpasst wurde, soll 2016 nachgeholt werden.

Nico Delle Karth und Niko Resch, vor Weymouth als Vierte hauchdünn am Podest vorbeigesegelt, steuern die Spiele 2016 ebenso an wie Matthias Schmid und Florian Reichstädter. Das 470er-Duo schied erst auf der Zielgeraden aus dem Olympia-Medaillenrennen aus und wurde den internen Erwartungen mit Rang neun absolut gerecht. In ihrer dritten Kampagne stehen Schmid/Reichstädter mit David Bargehr und Lukas Mähr die Junioren Vize-Weltmeister von 2010 zu Seite. Die Vorarlberger, mittlerweile in der erweiterten Weltspitze angekommen, fungieren als wichtige Sparringpartner und drängen selber ins Rampenlicht. Gleiches gilt für Benjamin Bildstein und David Hussl, die vom 470er in die 49er Klasse wechseln und eine Arbeitsgemeinschaft mit Delle Karth/Resch eingehen werden. Während Andreas Geritzer und Hans Spitzauer die olympische Bühne verlassen, feiert Sylvia Vogl nach ihrer Babypause ein Comeback. Die Ex-Europameisterin wechselt gemeinsam mit Thomas Czajka in die neue Mixed-Multihull Olympia-Disziplin Nacra17.
Seit 1999 in einem Boot, gehen Thomas Zajac und Thomas Czajka damit nach 13 gemeinsamen Jahren getrennte Wege. Der Nacra 17 schafft für die beiden Katamaran-Spezialisten (Junioren Welt- und Europameister im Tornado) neue Möglichkeiten, allerdings nur an der Seite einer Seglerin. Während Czajka mit Vogl gemeinsame Sache macht, holt sich Thomas Zajac die Junioren-Weltmeisterin von 2012, Tanja Frank, an die Vorschot. Eva Maria Schimak bleibt dem olympischen Segelsport erhalten und steigt in die Laser Radial Klasse um, Lara Vadlau will ihre 470er-Kampagne fortsetzen, die Vorschoterfrage ist noch zu klären. Auf der Trainerbank wird auf Bewährtes gesetzt und nach gleichzeitig frischen Kräften gesucht - vor allem in Österreich, wo unter anderem Gespräche mit Christoph Sieber und Andreas Geritzer geführt werden. Das medaillenschwere Duo (Olympiagold und -silber) soll für die Mitarbeit gewonnen werden.
Nach der österreichischen Hochsee-Meisterschaft (8.-12.10./Biograd) folgen für die Aktiven Testwochen in Kroatien und Übersee, Ende Jänner beginnt die Regattasaison mit dem Miami-Weltcup. Parallel dazu laufen die Reviertests in Rio an. In Sachen Olympiaqualifikation wird es bereits in 24 Monaten spannend, bei den ISAF Worlds 2014 (September/Santander) werden die ersten Nationenplätze vergeben.

Stimmen:
Herbert Houf:
„Der OeSV bekennt sich nachdrücklich zum olympischen Spitzensport. Unsere Arbeitsschwerpunkte gelten neben der Kampagne 2016 vor allem der Entwicklung von Konzepten die planmäßig und nachhaltig sportliche Erfolge bringen sollen. Da sind die Strukturen im Trainerbereich genauso angesprochen wie die Schnittstellen zwischen Nachwuchs- und Spitzensport. Zu unseren Visionen gehört ein Segelinternat in Neusiedl, das zum Motor der Nachwuchsarbeit werden sol. Als kleines Land müssen wir bei der Talentsuche, -erkennung und -förderung besonders effizient sein. Dazu gehört auch, dass wir unsere Sportler bei der beruflichen Karriere danach unterstützen. Die nötigen finanziellen Mittel für all diese Vorhaben aufzubringen, ist eine Herausforderung, die wir annehmen und durch Professionalität meistern wollen.“

Georg Fundak:
„Auf uns warten große Herausforderungen und eine sehr intensive Zeit. Wir wollen und werden unsere segelspezifische Experten noch verstärkter einbauen, das gilt sowohl für den wissenschaftlichen Aspekt, als auch für den mentalen Bereich. Darüber hinaus werden wir unsere Athleten in ihrer Eigenverantwortlichkeit pushen und unserer jungen Generation eine fundierte Basis schaffen, damit sie die Arrivierten voll fordern können. Der olympische Segelsport wird künftig mediengerechter und zuschauerfreundlicher aufbereitet, es folgt ein neues olympisches Format für den Segelsport auf das wir uns einstellen müssen. Aktuell gilt unsere volle Konzentration den neuen olympischen Disziplinen, ab 2013 wollen wir die Reviervorbereitung in Rio beginnen, hierfür müssen wir ebenfalls ein optimales Umfeld schaffen. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen, extrem hungrigen Olympiaseglern, die Ausgangsposition für Rio 2016 stimmt uns sehr zuversichtlich.“

Nico Delle Karth:
„Wir haben in den letzten Wochen sehr viele sehr gute Gespräche geführt, die Stimmung im Segel-Verband ist absolut positiv, jeder weiß was er zu tun hat und alle sitzen buchstäblich in einem Boot. Wir haben uns in der Vergangenheit als geschlossene Einheit präsentiert, diesen Weg gilt es fortzusetzen und genau das passiert auch. Ich bin davon überzeugt, dass der Verband alles unternimmt um uns Seglern ein bestmögliches Umfeld zu schaffen. Die Unterstützung der sportpolitischen Gremien vorausgesetzt steht einer professionellen Vorbereitung nichts im Wege.“

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