Jochen Schümann segelt um den Vulkan

Nach Auszeichnung geht der deutsche Superstar wieder aufs Wasser

Gewichtstrimm der Crew auf der 30-Meter-Hochseesegelyacht ¿Esimit Europa 2¿. Foto: Ian Roman/Esimit Europa

Gewichtstrimm der Crew auf der 30-Meter-Hochseesegelyacht ¿Esimit Europa 2¿. Foto: Ian Roman/Esimit Europa

Hoch dekoriert und motiviert ging Skipper Jochen Schümann am heutigen Montagvormittag (19. Mai) mit der Rennsegelyacht „Esimit Europa 2“ auf weitere Rekordjagd. Am Freitagabend vor 260 illustren Gästen im Berliner Nobelhotel „Adlon“ mit der Goldenen Sportpyramide der Deutschen Sporthilfe ausgezeichnet, will der erfolgreichste deutsche Segler aller Zeiten nun die Maxiyacht unter der Flagge Europas beim Vulkanrennen (Volcano Race) der Rolex Capri Sailing Week zum Sieg steuern. Die Langstrecke führt über rund 300 Seemeilen von der italienischen Mittelmeerinsel Capri rund um den noch aktiven Vulkan Stromboli herum zurück nach Capri. Es wäre der 28. Regattagewinn im 28. Start seit das Esimit Sailing Team von Gründer und Yachteigner Igor Sim?i? aus Slowenien als Botschafter für die Einheit Europas unterwegs ist.

„Die Auszeichnung hat mich sehr überrascht und ist eine große Ehre, auch für den Segelsport allgemein“, sagte Schümann auf der Benefizgala, wo Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Laudatio hielt und die Pyramide überreichte. „Gleichzeitig mutet die Würdigung meines Lebenswerks auch etwas gewöhnungsbedürftig an, denn ich bin ja noch nicht zurückgetreten“, so der dreimalige Olympiasieger und zweifache America’s Cup-Gewinner. Der 59-Jährige steht weiter erfolgshungrig am Steuer der „Esimit Europa 2“ und will seine Siegesserie diese Saison unter anderem noch bei den Hochseeklassikern Giraglia Rolex Cup im Juni – das Team hält den Streckenrekord – und beim Rolex Middle Sea Race im Herbst vor Malta fortsetzen.

Doch zunächst fordert ein Vulkan den „deutschen Pharao des Segelns“ heraus. Stromboli, der Wendepunkt auf der Hochseeregatta nördlich von Sizilien, könnte durch trickreiche Windverhältnisse über Sieg und Niederlage entscheiden. „Wir erwarten dort gegen Abend eine schwache, drehende Brise, bei der wir höllisch aufpassen müssen, in keinem Flautenloch hängen zu bleiben“, erklärte Navigator Boris Herrmann (Hamburg). Der zweimalige Weltumsegler mit einem Sieg beim Portimão Global Ocean Race 2008/09 wurde von Schümann auch als meteorologischer Experte angeheuert.

Mit 30,5 Metern Gesamtlänge geht die „Esimit Europa 2“ als größtes Schiff ins Volcano Race. „Den Sieg als Erster im Ziel müssen wir schon holen“, legt Skipper Schümann das Soll fest, „aber wir wollen auch nach berechneter Zeit gegen die kleineren Boote gewinnen.“ Unter den Gegnern wurden einige „heiße Rennziegen“ mit internationalen Top-Profis wie Paul Cayard und Brad Butterworth in der Crew gemeldet, die ebenfalls das oberste Treppchen anstreben.

Um gegen die wachsende Konkurrenz von Neubauten zu bestehen, erhielt das europäische Boot für diese Saison ein neues Rigg. Die Masttests vor Livorno verliefen positiv. Eine Feuertaufe bei Starkwind steht allerdings noch aus. „Der ist jedoch auch dieses Jahr nicht in Sicht“, prophezeit Boris Herrmann, „es gibt höchstens Böen mit Stärke vier am Nachmittag.“ Der Start erfolgte um 10 Uhr bei leichten südlichen Winden und bewölktem Himmel. Die „Esimit Europa 2“ übernahm sofort die Führung. Am Dienstagnachmittag (20. Mai) werden die Sieger bereits in Capri zurück erwartet.

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