El Capitán, Boris und Joschis Zerflossene

Es geht nichts über gute Seemannschaft und Sicherheit an Bord. Selbst wenn man dafür ungewöhnliche Wege gehen muss

El Capitán, Boris und Joschis Zerflossene

Das Leben kann so einfach sein: Ein Freund des Freundes eines Freundes spaziert in den einschlägigen Laden Sex & Fun Paradise. Dort trifft er rein zufällig den Freund eines anderen Freundes. Mr. X beteuert, dass er selbstverständlich nur hier sei, um ein paar Scherzartikel für den Polterabend eines alten Bekannten zu suchen. „Wie lustig“, sagt Mr. Y und verblüfft Mr. X mit seiner Version: „Ich bin wegen guter Seemannschaft und Sicherheit auf meinem Schiff hier.“

Diese Aussage wirft Fragen auf. Bevor Mr. X diese stellen kann, erklärt Mr. Y, was er in dieser Sexualienhandlung tatsächlich sucht: „Mann-über-Bord-Manöver mit Fendern sind langweilig, unrealistisch und ich habe dabei schon zwei Fender verloren“, flüstert Mr. Y verschwörerisch.

Ich glaub‘, mich zwickt ein Hummer! Mr. Y kauft allen Ernstes eine Plastikpuppe, will selbige beim nächsten Törn mit Wasser füllen, ins Meer stoßen und von der Crew bergen zu lassen? Ein Fall für Aktenzeichen XY ungelöst. Wehe ihm, wenn zufällig gerade ein gelangweilter Küstenwachmann das Revier mit dem Fernglas nach illegalen FKK-Gockeln abklappert und an diesem bizarren Szenario hängenbleibt!

„O tempora! O mores!“ wie der alte Römer sagte: „Was für eine Zeit! Was für Sitten!“ Wohin soll das bloß führen? „Püppchen über Bord! Klar zum Quicky-Stop-Manöver!“ Und was passiert bitte, wenn die Crew seine kahnbrechende Erregung … pardon: bahnbrechende Erfindung … einfach nicht mehr findet? So wie einst die beiden Fender?
Murphys Gesetz schlägt gnadenlos zu: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Püppchen tritt mit der Strömung eine weite Reise an. Haifische drehen angewidert ab wie Steak-Liebhaber vor einem Tofu-Teller. Schließlich geht Lady Mayday einem baskischen Fischer ins Netz. Der Schock der Besatzung über den grausamen Fund weicht sehr rasch einer gewissen Belustigung. Die Burschen stellen fest, dass es sich um keine Wasserleiche handelt. Viele von ihnen sind schon seit Wochen auf See …

Und genau in diesen kurzen Augenblicken navigatorischer Unaufmerksamkeit foilt ein UFO-ähnliches Segelboot daher. Dessen schlummernder Skipper Boris träumt vom Sieg bei der Vendée Globe, der zum Greifen nah scheint. Knapp hundert Meilen vor dem Triumph beim Einhand-Klassiker rund um die Welt kracht das UFO mit 35 Knoten in den Fischer. Bums! Püppchen platzt der Kragen. Es zerfließt im wahrsten Sinne des Wortes. Die Fischer sind traurig.

In den sozialen Medien wird verrückt gespielt: Seglergruppen aus aller Welt mutmaßen, dass der Fischer die Schiffserkennung deaktiviert hatte. Dass er unbeleuchtet war, steht sowieso außer Zweifel. Selbstverständlich hat El Capitán illegal gefischt, was der Baske generell immer tut, bevor er in Madrid Bomben legt. Petitionen gegen den industriellen Fischfang legen postwendend unsere E-Mail-Konten lahm. Die These, wonach der deutsche Segler Opfer eines französischen Saboteurs wurde, hält sich nur kurz. Dass Putin einen Kritiker mittels Fischkutter nach Kuba entführen wollte, ist da schon viel konkreter. Der Vorname des Seglers – Boris – sagt eh alles! Am Ende steht fest, dass die Illuminaten mit den Bilderbergern auf dem vermeintlichen Fischerboot einen geheimen Pakt geschlossen haben. Alle Beweise dafür, dass die Erde eine Scheibe ist, wurden im Zuge dieser Weltverschwörung vernichtet. Natürlich hat die Kollision nebenbei ein genmanipuliertes Virus freigesetzt. Bill Gates und Elvis ….

STOPP!

Als Yachtrevue-Leser dürfen Sie sich glücklich schätzen, dass ich Sie aus den Fängen der Internet-Schwurbler befreie! Ich habe mir erlaubt, die Ereignisse in der Biskaya für Sie aufzuklären: Alles begann damit, dass Hobby-Skipper Joschi Plastotschil aus Poppendorf in einem Porno-Schuppen heimlich eine aufblasbare Gespielin erwerben wollte. Die zu hunderttausend Prozent wahre Geschichte seiner Zerflossenen kennen Sie ja inzwischen …

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