Esel statt Sack

Krisen ziehen mir den Nerv. Ja, klar, auch im Sinne direkter Betroffenheit. Aber eigentlich noch mehr wegen der Art und Weise, worauf wir das Label „Krise“ picken und wofür wir Krise verantwortlich machen.

Die Migrationsbewegungen geflüchteter Menschen in 2015/16 als Flüchtlings-, Migrations- oder Asylkrise zu etikettieren ist irreführend. Es vernebelt, dass massive strukturelle Missstände in der internationalen Verteilung von Lebenschancen, Arbeit, Rohstoffen und Vermögen – von der politischen Situation ganz zu schweigen – existieren, die Menschen um ihre Zukunftshorizonte bringen. Ein anderes Label wäre ehrlicher.

Wir halten auch Krisen für das eigentliche Problem, mit dem wir umzugehen haben. Falsch. Krisen bringen, das wissen wir aus vielen Lebensbereichen, zum Vorschein, womit wir uns unter Normalbedingungen halt irgendwie arrangiert haben. Wenn aber eine Krise unsere gewohnten Routinen aushebelt und wir uns neu orientieren müssen, dann werde wir nolens volens auf Grundsätzlicheres zurückgeworfen. Warum tun wir eigentlich, was wir tun? Wie wichtig ist uns was? Welche Widersprüche und Unvereinbarkeiten liegen hinter unserem gewohnten Handeln? Die sogenannte Finanzkrise hat 2008 massive Verwerfungen im globalen Finanzsystem und im Verhalten einzelner Akteure offenbart. Und aktuell: Die gegenwärtig in EUROSAF, World Sailing sowie allen Sportverbänden teils höchst intensiv geführte Debatte um die Rolle russischer und weißrussischer Mitglieder in verschiedenen Gremien macht plötzlich deutlich, wie eng Politik und Sport verknüpft sind. Und dass hehre Prinzipien, wie das Agieren jenseits nationaler Interessen, zwar statutarisch fest verankert sind, sich in der Praxis aber als relativ wertlos erweisen und Anlassgesetzgebung vorherrscht.

Kurzum: Krisen fördern ans Tageslicht, was wir normalerweise unter der Decke, also latent halten. Wenn sie eine Chance bergen, dann diese: aufgreifen, was dadurch sichtbar wird, bei aller wohl unvermeidbarer Widersprüchlichkeit einen Schritt in die richtige Richtung gehen und die Ursachen und nicht die Krise in den Blick nehmen. Also bitte nicht den Sack hauen und den Esel meinen.

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